Netzwerk wird jetzt virtuell gepflegt
Der Wirtschaftsverband Stadt Luzern ist am Donnerstag in der virtuellen Welt angekommen. Am «Schmudo» fand das erste Gipfeltreffen auf dem digitalen Weg statt – dieses soll nun monatlich stattfinden.
Still wurde es beim Wirtschaftsverband Stadt Luzern (WVL) in den letzten Monaten nie. Auch während der Pandemie wurden die 500 Mitglieder regelmässig per Newsletter über aktuelle Themen informiert. Gesehen haben sich die Mitglieder aber seit September nicht mehr. Am «Schmudo» hat der WVL deshalb erstmals ein virtuelles Treffen organisiert. Im Normalzustand tauschen sich einige der Mitglieder jeweils am ersten Donnerstag des Monats für rund eine Stunde in einem lockeren Rahmen im «Schweizerhof» bei Kaffee und Gipfeli aus.
Einstieg fällt vielleicht einfacher
Ähnlich ungezwungen fand dieses Treffen nun auch erstmals digital statt. Gut möglich, dass einigen Neumitgliedern dieser Rahmen entgegenkommt, denn nach einer kurzen Ansprache des WVL-Präsidenten Alexander Gonzalez wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedenen Kleingruppen zugeteilt. «So fällt es sicher dem einen oder anderen leichter, ins Gespräch zu kommen», meint auch Alexander Gonzalez. «Es ist aber so, dass bei Neumitgliedern jeweils ein Vorstandsmitglied bei der ersten physischen Teilnahme zur Seite steht und sie mit einigen Leuten bekannt macht. Sofern er oder sie diese Begleitung natürlich wünscht», betont der Präsident.
Sehr schwer sollte einem dieser Zugang jedoch ohnehin nicht fallen. Beim WVL wird ein kollegialer Austausch gelebt – dies ist auch am ersten virtuellen Treffen nicht anders. Einen weiteren Pluspunkt betont Sina Zemp, Vorstandsmitglied des WVL und Leiterin Hypotheken- und Finanzierungsgeschäft Region Zentralschweiz bei der Credit Suisse: «Durch die zufällige Zuteilung in die Gruppen lernen auch langjährige Mitglieder wieder neue Leute kennen, sonst gesellt man sich vielleicht eher immer zu denselben Personen.»
Natürlich ist auch an dieser Veranstaltung die Pandemie Hauptthema. Wie man persönlich und das Unternehmen mit der aktuellen Situation umgeht und wie die digitalen Möglichkeiten genutzt werden, wird in einigen Chatrooms diskutiert. Da ist beispielsweise Urs Lenherr, Key Account Manager der Mobiliar, der sich selbst einen «Event-Surfer» nennt, normalerweise also an vielen Veranstaltungen anzutreffen ist. Er geniesst die etwas ruhigere Zeit auch. Im selben Chatroom ist Rolf Borkowetz, Leiter Verkauf und Marketing bei «achermann ict-services» in Kriens. Seine Firma musste im Frühling praktisch über Nacht zahlreiche Kunden digital aufrüsten. Auch er sieht Vorteile: «Ich habe heute mit einigen Kunden, die ich sonst nur alle drei Monate sehe, viel öfters Kontakt», berichtet er. «Ich stelle in meinem Umfeld aber schon auch eine gewisse Sättigung von virtuellen Cafés und Treffen fest.»
Vorerst geht es so weiter
Eine einmalige Sache soll dieses neue Treffen gemäss Alexander Gonzalez nicht bleiben. Bis sich die Umstände verbessern, wird das Gipfeltreffen jeweils am ersten Donnerstag des Monats, ebenfalls um 7 Uhr, digital stattfinden. Die Verbandsmitglieder werden via Newsletter an die Treffen erinnert. «Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch in Zukunft eine Mischform von physischen und virtuellen Treffen geben wird», blickt Gonzalez in die Zukunft. Wie diese genau aussehen werden, ist noch nicht definiert.
Dies wäre sicher ein Pluspunkt, denn virtuelle Treffen haben durchaus auch ihre Befürworter. Dies zeigte sich auch am Umstand, dass mit 35 Teilnehmern, rund gleich viele dabei waren wie jeweils im «Schweizerhof», es haben sich jedoch viele eingeklinkt, die beim physischen Treffen jeweils nicht vor Ort waren.
Marcel Habegger