Die Kräfte werden neu verteilt
Bis auf eine Position ist die neue Leitung des Luzerner Theaters ab der Spielzeit 2021/2022 klar. Die Hauptverantwortung wird neu auf vier Köpfe verteilt. Das Modell ist schweizweit einzigartig.
Die Stiftungsrätin Birgit Aufterbeck kommt beim Thema um das neue Führungsmodell des Luzerner Theaters fast etwas ins Schwärmen. «Das ist das Modell, das wir heute brauchen, um das Luzerner Theater erfolgreich führen zu können», sagt die Stiftungsratspräsidentin.
Im letzten Frühjahr hatte das Theater bereits Ina Karr als Nachfolgerin von Benedikt von Peter als Intendantin präsentiert. Ihr zur Seite stehen werden ab der Spielzeit 2021/2022 unter anderem der bisherige Verwaltungsdirektor Adrian Balmer als kaufmännischer Direktor, Stefan Vogel als Betriebsdirektor sowie eine Person, die die Marketing- und Vertriebsdirektion leiten wird. Letztere Position wurde noch nicht besetzt.
«Das CEO-Modell verteilt die Verantwortung auf mehrere Schultern und vielfältigere Kompetenzen», erklärt Birgit Aufterbeck den Schritt weg von der dualen Leitungsstruktur. Bisher hing das betriebliche Geschehen alleine an einer Person, was gemäss der Stiftungsratspräsidentin für die heutigen Verhältnisse nicht mehr zeitgemäss ist. Die Einsetzung eines Betriebsdirektors ist nach Birgit Aufterbeck ein Novum in Schweizer Kulturhäusern. «Man kennt die Funktion des künstlerischen Betriebsdirektors, aber wir machen eine Verbindung zwischen der künstlerischen und technischen Betriebsführung, weil die Prozesse ineinander greifen», so Aufterbeck.
Erfahrung bei Umbauten
Der Stiftungsrat erhofft sich dadurch auch Synergien und Impulse für das neue Haus. «Stefan Vogel hat Erfahrung damit, neue Akzente zu setzen, und auch mit Ausweichspielstätten», erklärt die Stiftungsratsvorsitzende. Der Deutsche war unter anderem künstlerischer Betriebsdirektor und Stellvertreter des Intendanten am Theater Heidelberg und anschliessend des Generalintendanten am Oldenburgischen Staatstheater. Dort war Vogel an den Umbauarbeiten massgeblich beteiligt. Vom Luzerner Theater war er zunächst als externer Berater für das Betriebskonzept des neuen Theaterbaus beauftragt.
Der neuen Geschäftsleitung wird die neue Intendantin Ina Karr vorstehen. Damit wird sie neu auch die Chefin von ihrem Lebenspartner werden. Karr und Vogel sind Lebenspartner und haben zwei gemeinsame Kinder. «Wir haben die beiden Vollprofis ausschliesslich aus fachlichen Gründen ausgewählt. Und wenn bereits zwei in der Geschäftsleitung ein solches Vertrauensverhältnis haben, ist das für uns ein Gewinn», ist Birgit Aufterbeck überzeugt.
Künstlerische Leitung steht
Ebenfalls steht die künstlerische Leitung ab der Spielzeit 2021/2022 um Intendantin Ina Karr fest. Die Regisseurin und Dramaturgin Katja Langenbach wird Leiterin der Schauspielsparte. Sie ist aktuell noch für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Theater wie das Thalia Theater Hamburg, das Landestheater Bregenz, das Theater Magdeburg und das Theater St. Gallen tätig.
Die Sparte Musiktheater wird ab Sommer 2021/2022 von einem Duo in den Personen von Lydia Steier und Lars Gebhardt geleitet. Lydia Steier inszenierte als Regisseurin unter anderem an der Komischen Oper Berlin, der Los Angeles Opera, der Semperoper Dresden, am Staatstheater Mainz, am Theater Bern und bei den Salzburger Festspielen. Auch ihr Co-Leiter Lars Gebhardt war an der Komischen Oper Berlin, am Oldenburgischen Staatstheater, am Staatstheater Mainz und an der Deutschen Oper Berlin. Wanda Puvogel übernimmt die Leitung der Sparte Tanz. Sie war zuletzt unter anderem Dramaturgin und Managerin von Bern Ballett, Mitarbeiterin des Berufsverbands Danse Suisse sowie Dramaturgin für das Migros-Kulturprozent-Tanzfestival Steps.
Marcel Habegger