Region
12.09.2022

Alle «Lieblinge» sind dabei

Die Kleintheater-Co-Intendantinnen Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach hinterlassen den Nachfolger:innen ein gut bestelltes Haus. Bild: Andréas Härry

Die Kleintheater-Co-Intendantinnen Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach hinterlassen den Nachfolger:innen ein gut bestelltes Haus. Bild: Andréas Härry

Es ist die letzte Saison im Kleintheater, die Judith Rohrbach und Sonja Eisl verantworten. Bei den Intendantinnen kommt bereits jetzt Wehmut auf.

Sonja Eisl, Judith Rohrbach, machen Sie sich für Ihre letzte Saison so richtig selbst Freude mit der Zusammenstellung des Programms 2022/2023?

Judith Rohrbach: Ja! (Beide lachen.)

Sonja Eisl: Wobei, wir machten dies eigentlich in jedem Jahr, seit wir hier sind.

Judith Rohrbach: Wir haben letzte Saison eine Wunschliste erstellt von Künstler:innen, die wir in unserer letzten Spielzeit unbedingt haben möchten.

Sonja Eisl: Ausser Dominic Deville, der megabeschäftigt ist, haben alle zugesagt. Wobei «unsere Lieblinge» sind auch die «Publikumslieblinge» – und die Favoriten unseres Teams. Ein Beispiel ist Bänz Friedli, der hat solch eine gute Art. Klar, dass so jemand in unser Abschlussprogramm gehört.

Wie entsteht ein Jahresprogramm in Ihrem Tandem?

Sonja Eisl: Viele Künstler:innen melden sich bei uns aus der Kleinkunst- sowie aus der freien Szene, Letztere vielfach für Koproduktionen.

Judith Rohrbach: Zudem stehen wir in regem Kontakt mit den Agenturen der Kabarett- und Comedy-Szene. Wir fragen auch nach Neuem, damit wir am Ball bleiben. Dazu kommen diejenigen, die es einfach braucht, die «immer» hier waren. Dazu geben wir Impulse in die freie Szene: «Hört mal, mit euch möchten wir etwas machen!»

Haben Sie beide den gleichen Kunstgeschmack, oder gibt es Debatten?

Judith Rohrbach: Wir gehen viele Dinge zusammen anschauen, und ich spüre sofort, ob es Sonja neben mir gefällt. Unsere Geschmäcker sind auffallend deckungsgleich. Wir müssen selten diskutieren.

Was für eine Rolle hat der Stiftungsrat bei der Ausrichtung des Programms?

Sonja Eisl: Wir haben freie Hand. Der Stiftungsrat ist «normales» Publikum, das natürlich besonders interessiert ist, wie die Dinge ankommen.

Was für ein Verhältnis haben Sie zur Szene? Die Künstler:innen sind ja auf Sie angewiesen.

Judith Rohrbach: Wir pflegen ein Verhältnis auf Augenhöhe. Es gibt kein Machtgefälle. Sonja und ich kommen selbst aus der Szene und wissen, wie unangenehm Gespräche bei Intendanzen sein können. Das wollen wir nicht.

Sonja Eisl: Wir sind ja auch Gastgeberinnen, bereiten den Boden vor, dass hier etwas Grossartiges entsteht. Darum ist die angesprochene Augenhöhe essenziell.

Es gibt Populäres, das Sie für die Zuschauerzahlen brauchen, es gibt Dinge, die sie persönlich wollen, und es gibt Auftritte, die müssen für die Breite des Angebotes «irgendwie rein». Wie gewichten Sie?

Judith Rohrbach: Unser Credo lautet: Wir wollen hinter allem persönlich stehen können. Wir sind wie Köchinnen, die auch mal etwas kreieren, wo es «Pilze drin hat» (die offensichtlich Judith Rohrbach nicht mag, die Red.), was aber qualitativ dermassen gut ist, dass wir das unseren Zuschauer:innen unbedingt anbieten möchten.

Sonja Eisl: Unzweifelhaft besteht aber auch der Druck, viel Publikum und damit Geld zu generieren, um unseren Eigenfinanzierungsgrad zu erreichen.

Judith Rohrbach: Aber das ist nichts Negatives. Es ist grossartig, wenn das Haus voll ist, es brodelt und «fäget».

Sonja Eisl: Populäres vermeidet auch das Verharren in der eigenen subjektiven Bubble. Schlussendlich geht es doch darum, dass möglichst viele Leute eine gute Zeit bei uns haben. Dazu gehören auch der Abbau von Vorurteilen und der Dünkel gegenüber gewissen Kulturgenres.

In Ihrer Intendanz hat sich der Fächer der Angebote am Kleintheater vergrössert.

Judith Rohrbach: Uns beiden wird es bald einmal langweilig. So kam die Idee auf, aus dem Haus rauszugehen, andere Orte zu bespielen. Da haben wir «mega Blut geleckt».

Sie haben das Stichwort geliefert: Langeweile. Ist das der Grund, dass Sie nach neun Jahren bereits die Intendanz hier abgeben?

Sonja Eisl: Was heisst «bereits»? Das ist das Längste, was Judith und ich je absolviert haben! Der Zeitpunkt stimmt für uns.

Judith Rohrbach: Dieser Job fordert enorm. Da gibt es unweigerlich Verschleisserscheinungen. Zudem ist es die Gelegenheit, das Haus auch künstlerisch etwas anders zu positionieren.

Aber der «Vorwurf» muss platziert werden: Jetzt, wo es härter wird in der Kulturwelt, verlassen Sie das Schiff?

Judith Rohrbach: Oh, es war immer hart! Ich würde eher behaupten: Jetzt, wo es wieder lockerer wird, überlassen wir das Haus Nachfolger:innen. Die zwei Corona-Jahre waren heftig.

Sonja Eisl: Sie sprechen das finanzielle Umfeld an. Auch dieses war immer schwierig, da ändert sich nichts. Wobei: Wir haben vor acht Jahren das Haus wie ein Start-up-Unternehmen übernommen, all unsere Energie reingebuttert. Jetzt muss das Ganze auch finanziell auf einen neuen Level gebracht werden.

Sie zwei wüssten, wie dies geschehen müsste.

Judith Rohrbach: Die Subventionsverhandlungen mit der Stadt werden wir noch absolvieren. Das ist der letzte Kampf, den wir hier führen werden. Wir wollen das Kleintheater auf einer soliden Basis den Nachfolger:innen übergeben.

Wie viele Theater haben sich schon gemeldet und Ihnen Jobs angeboten?

(Beide lachen.) Sonja Eisl: Was wäre jetzt eine geschickte Antwort?

Judith Rohrbach: … dass man sich bei uns melden kann!

Sie haben also nicht genug von der Theaterwelt?

Judith Rohrbach: Ich persönlich bin offen für alles. Wobei ich Dinge, die ich einmal gemacht habe, meistens abhake.

Sonja Eisl: Im Moment liegt auch bei mir nichts Konkretes auf dem Tisch. Wobei wir beide keine Angst haben, dass nichts Spannendes kommt. Ich liebe es eigentlich, in eine Leere zu gehen.

Zum Schluss noch ein Blick ins Jahresprogramm: Was ist das Progressivste, das Sie drin haben, eine Premiere nach acht Jahren?

Judith Rohrbach: Kurt Aeschbacher! (beide lachen). Wir hatten die Idee einer Matinee bereits, als Kurt pensioniert wurde. Jetzt ist er auf uns zugekommen. Das ist etwas so Cooles …

Sonja Eisl: …bei dem man Menschen, die sonst nicht zu uns kommen, abholen kann. Natürlich ist das nicht das Progressivste. Das wird die digitale Bühne sein. Da hat sich für uns letztes Jahr eine Welt aufgetan, eine Spielwiese für barrierefreie Kultur und Inklusion. Wir leisten da schweizweite Pionierarbeit. In diesem Bereich haben wir Anfragen von anderen Kulturhäusern, sogar von der belgischen Regierung!

In Juni 2023 ist Schluss hier für Sie …

Sonja Eisl: Wir haben zum Glück zwei Dernieren, eine im Haus und eine an einem Festival, an denen wir Tränen vergiessen können. Ja, ich spüre die Wehmut, dass die Uhr jetzt rückwärtsläuft.

Judith Rohrbach: Bei mir begann es schon letztes Jahr, als ich mit einem Künstler auf dem Balkon sass und feststellte: Das wird wohl das letzte Mal in dieser Form sein.

Andréas Härry

Saisonübersicht auf www.kleintheater.ch 

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