03.01.2022

«Wir sind gesprächsbereit»

Beim Austausch mit der Agglomeration und dem Kanton gebe es Steigerungspotenzial, sagt Stadtpräsident Beat Züsli. Bild: Boris Bürgisser / «Luzerner Zeitung»

Beim Austausch mit der Agglomeration und dem Kanton gebe es Steigerungspotenzial, sagt Stadtpräsident Beat Züsli. Bild: Boris Bürgisser / «Luzerner Zeitung»

Stadtpräsident Beat Züsli blickt im Interview nochmals auf die vergangenen zwölf Monate zurück, spricht aber auch über die Herausforderungen, die den Stadtrat im Jahr 2022 erwarten werden.

Beat Züsli, Ende 2020 hatten Sie vom schwierigsten Jahr seit Ihrem Amtsantritt gesprochen. War das Jahr 2021 noch belastender?
Die beiden Jahre sind schwierig zu vergleichen. In Bezug auf Corona haben wir besser gelernt, mit dieser Situation zu leben, und hatten beispielsweise im Schulbereich glücklicherweise keine Schliessungen zu bewältigen. Wenn man aber an die Hochwassersituation im Sommer zurückdenkt, kam eine neue Herausforderung dazu.

Was sind für Sie die Leuchttürme, die Sie im kommenden Jahr besonders beschäftigen werden?
Es sind viele laufende, grosse Projekte, die uns weiterhin beschäftigen werden. Beispielsweise wird das Vorprojekt «Durchgangsbahnhof» abgeschlossen und der Architekturwettbewerb für das neue Luzerner Theater entschieden. Aber auch in Sachen Klimaschutz wird das Jahr 2022 wegweisend sein. Zur Klima- und Energiestrategie laufen momentan die Kommissionssitzungen. Das Parlament wird entscheiden müssen, wie es in diesem Bereich weitergehen soll.

Der VCS Luzern sagt, der Bypass belaste das Klima noch zusätzlich. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation? 
Der Bypass ermöglicht durch die Verlagerung auf das übergeordnete Netz verschiedene flankierende Massnahmen und einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Er hat auch positive Auswirkungen auf den städtischen Verkehr, und deshalb unterstützt der Stadtrat den Bypass.

Andererseits sagt beispielsweise Nationalrat Michael Töngi, mehr Strassen verursachten mehr Verkehr. Das ist nicht positiv …
Michael Töngi hat als Nationalrat eine übergeordnete Sichtweise. Mit Blick auf die Stadt Luzern ist es aber so, dass der Bypass für die Stadt mehr Möglichkeiten im öffentlichen Verkehr bietet, weil er auch Platz schaffen wird, und das ist bei entsprechender Umsetzung auch positiv für die Umwelt. 

Der Ebiker Gemeinderat Hans Peter Bienz wirft Ihnen bei Verkehrsfragen vor, die Stadt Luzern sei eine schwierige Gesprächspartnerin.
Wir sind gesprächsbereit, und die regionale Koordination ist uns sehr wichtig. Aber es gibt Potenzial, dass wir uns mit der Agglomeration und dem Kanton noch besser austauschen und beispielsweise die Region bei der Planung des Durchgangsbahnhofs verstärkt einbeziehen. Ich hoffe, dass auch der Beitritt in den Verband der Luzerner Gemeinden eine gewisse Wirkung haben wird. Das stärkt sicher unsere Glaubwürdigkeit gegenüber den anderen Gemeinden.

Sie äussern sich als Stadtpräsident oft zu Verkehrsfragen. Adrian Borgula tritt bei den nächsten Wahlen nicht mehr an. Ist ein Direktionswechsel für Sie ein Thema?
Das ist für mich kein Thema, sofern ich auch nach den nächsten Wahlen Stadtpräsident bin. Für mich gibt es Direktionen, die sich für einen Stadtpräsidenten besser eignen als andere.

Weshalb?
Die Umwelt- und Mobilitätsdirektion oder auch die Baudirektion sind aus meiner Sicht aufgrund der Anzahl Projekte schwieriger, mit dem Präsidium zu kombinieren – auch wegen der Exponiertheit. Die Mobilität ist wohl am meisten umstritten, das wäre nicht sinnvoll, dies mit dem Präsidium zu kombinieren.

In anderen Städten wird dies gemacht ...
Das heisst nicht, dass man dies nicht machen kann. Aber ich denke, in unserer Konstellation wäre dies nicht ideal.

Durch den Umzug der kantonalen Verwaltung werden zahlreiche Büroflächen frei. Wie reagiert der Stadtrat darauf?
Wir haben vor kurzem Abklärungen aufgrund eines Vorstosses im Grossen Stadtrat gemacht. Diese haben gezeigt, dass es zwar Potenzial für Veränderungen gibt, im Gesamtumfang ist es aber nicht so, dass wir vor einer völlig neuen Situation stehen. Es ist sogar davon auszugehen, dass der Effekt von Homeoffice und der damit verbundenen Büroflächenreduzierung grösser sein kann. Wir betrachten dies als Chance, dass es auch wieder Platz für neue Firmen, für Neuansiedlungen gibt.

Wie gross betrachten Sie die Chancen, dass ein Citymanager bzw. eine Citymanagerin die Situation bezüglich Branchenmix beeinflussen kann? 
Der Einfluss der Stadt ist da sicher beschränkt. Trotzdem kann eine gute Koordination und Vermittlung einen Beitrag leisten. Aber jetzt geht es noch darum, zu erarbeiten, wo und wie ein Citymanagement Einfluss nehmen kann. 

Die steigenden Ausgaben im sozialen Bereich stellen auch die Stadt Luzern vor Probleme. Was für Visionen haben Sie da, um diesen Anstieg in den Griff zu bekommen?
Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Coronapandemie auf den Sozialbereich sind sehr schwierig abzuschätzen. Da hatten wir zum Glück schweizweit bisher nicht so gravierende Auswirkungen gehabt. Auch die Arbeitslosenzahlen sind nicht so gestiegen, wie man dies erwartet hatte. Ob das Anhalten der Pandemie dann aber doch auch grössere Auswirkungen haben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer abzuschätzen.

Marcel Habegger