13.09.2021

Den Titel als Saisonziel

Gegen Modo sammelte die Luzernerin am Sonntag mit vier Assists bereits wieder viele Punkte. Bild: PD

Gegen Modo sammelte die Luzernerin am Sonntag mit vier Assists bereits wieder viele Punkte. Bild: PD

Lara Stalder ist am Wochenende in Schweden in die neue Saison gestartet. Im Interview spricht sie über Bewerbungsschreiben, Gleichberechtigung und ihre Ziele für die neue Saison.

Lara Stalder, mit welchen Gefühlen sind Sie von der WM zurück nach Schweden gereist?
Sicher mit gemischten Gefühlen. Man fokussiert sich während dreier Wochen voll auf die WM, ist in einer Bubble drin, danach folgt jeweils eine gewisse Leere. Ich benötigte auch dieses Jahr ein paar Tage, um mich zu sammeln. Anders als in anderen Jahre ist die Saison aber dieses Jahr nach der WM nicht fertig, sie beginnt erst gerade.

Nach den ersten vier Spielen hatte die Schweiz 0 Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von 1:17. Das klingt ziemlich negativ ...
Schwarz auf Weiss klingt das krass. Man muss aber auch beachten, dass die Top-5-Nationen in einer Gruppe waren. Wir wussten, dass wir als Nummer 5 der Welt in dieser Gruppe nur gewinnen können und das Viertelfinalspiel entscheidend sein wird. Dort haben wir die Russinnen, die Nummer 4 der Welt, geschlagen. Auch im Bronzespiel gegen Finnland machten Details den Unterschied aus. (Die Schweiz unterlag 1:3, Anm. d. Red.)

Wie gehen Sie mit der Captainrolle im Nationalteam um, werden Sie viel um Tipps gebeten?
Es ist eine grosse Ehre, Captain dieses Teams zu sein. Es entspricht auch meinem Naturell, eine Leaderfunktion zu übernehmen, und ich unterstütze andere gerne. Ich hatte einige gute Gespräche mit Spielerinnen, die den Schritt ins Ausland schaffen möchten.

Was raten Sie diesen Athletinnen?
Bei uns sind Agenten noch nicht so bekannt, wie bei den Männern. Momentan ist es noch so, dass sich die guten Ligen im Ausland befinden. Je mehr Spielerinnen im Ausland spielen, desto besser ist dies für die Nationalmannschaft.

Wie schafft man diesen Sprung?
In erster Linie sind Events wie eine Weltmeisterschaft eine super Plattform. Zudem macht es auch Sinn, selbst Teams anzuschreiben und Interesse anzumelden. An einem College in den USA zu spielen ist sicher der beste Weg für diejenigen, die jünger als 25 Jahre alt sind.

Sie haben Geld gesammelt, um sich dieses Jahr das Sommertraining leisten zu können. Woran haben Sie im Speziellen gearbeitet?
Ich wusste, wenn ich auf dem Niveau der letzten beiden Jahre bleiben möchte, gehört auch eine super Vorbereitung dazu, da habe ich gerade neben dem Eis diesen Sommer enorm viel profitieren können. Zuerst war ich mir wegen der Kosten nicht sicher, weil es schon sehr teuer war.

Sie haben die 14 000 Franken für die zwei Monate aber zusammenbekommen ...
Ich bin sehr dankbar, dass das «I believe in you»-Projekt so gut funktioniert hat (Anstatt den gesuchten 14 000 Franken sind 21 000 zusammengekommen, Anm. d. Red.). Ich habe dadurch auch viele neue Leute kennen gelernt, die mich unterstützen wollen und konnte viele neue Erfahrungen machen.

Sie bereiten sich jeden Sommer in der Schweiz auf die neue Saison vor. War es nie ein Thema, sich zur Vorbereitung einem Männerteam anzuschliessen?
Nein, weil die Vorbereitung sehr individuell auf jeden einzelnen Spieler oder Spielerin ausgerichtet ist. Ich habe aber in Cham auch an der Seite von vielen Swiss-League-Spielern trainiert. Das war auch sehr interessant, denn das Sommertraining ist oft schon sehr monoton. Einheiten im Geschwindigkeitsbereich mit den Männern zu absolvieren, hat mich diesen Sommer enorm gepusht und auch weiter gebracht.

Sie arbeiten seit einem Jahr auch neben dem Eis für Ihren Club Brynäs. Was tun Sie genau?
Ich begleitete verschiedene Projekte rund um das Thema Nachhaltigkeit. Letzte Saison war die Gleichberechtigung ein grosses Thema. Hier im Klub wird neben dem Salär viel wert auf die Gleichberechtigung gelegt. 

Was könnte bei Brynäs bezüglich Gleichbehandlung noch verbessert werden?
Brynäs ist im Eishockey ein Pionier in Sachen Gleichberechtigung. Beispielsweise auf Social Media werden keine Unterschiede zwischen dem Frauen- und Männerteam gemacht. Für die Zuschauerförderung könnte sicher noch mehr getan werden. Beispielsweise könnte man auch bei den Frauenpartien die Lounge und die Restaurants öffnen. Wichtig wäre, dass andere Klubs mitziehen. Eine ähnliche Entwicklung würde ich mir für die Schweiz wünschen.

In welchen Bereichen wollen Sie sich im Hinblick auf die neue Saison verbessern?
Ich habe immer eine lange Liste an Details, die ich verbessern kann. Ich hatte eine gute Saison im letzten Jahr (Stalder wurde zum zweiten Mal zur wichtigsten Spielerin der Liga gewählt, Anm. d. Red.) und möchte auch nicht zu weit in die Zukunft blicken, ein Spiel nach dem anderen nehmen, dann werden auch die Resultate stimmen.

Letztes Jahr ist Ihr Team im Final an Luleå gescheitert, was braucht es für den Titel?
Offensiv sind wir enorm produktiv, wollen wir unser Ziel, den ersten Rang erreichen, müssen wir aber auch in der Defensive stabiler werden.

Marcel Habegger