Schärer Linder

21.07.2021

Russische Liebe zum «Gütsch»

Die neuen Gesichter beim «Gütsch»: Verwaltungsratspräsident Benno P. Hafner, Eigentümer Kirill Androsov und der bisherige Direktor Andreas Gartmann. Bild: Marcel Habegger

Die neuen Gesichter beim «Gütsch»: Verwaltungsratspräsident Benno P. Hafner, Eigentümer Kirill Androsov und der bisherige Direktor Andreas Gartmann. Bild: Marcel Habegger

Kirill Androsov heisst der neue Besitzer des «Château Gütsch». Der russische Investor will, dass sich die Luzernerinnen und Luzerner im Hotel wieder zu Hause fühlen.

Das «Gütsch» hat mit Kirill Androsov einen neuen Besitzer. Der Russe stellte sich am Mittwoch den Medien vor. «Als Investor gibt es ein Sprichwort, das besagt, man solle nicht in Dinge investieren, in die man sich verliebt hat», erklärte Kirill Androsov. Genau dies sei ihm hier aber passiert. Er bezeichnet das «Gütsch» aber auch nicht als gewöhnliches Investment. «Es ist eine Herzensangelegenheit», schwärmte der 49-jährige Investor, der seit einigen Jahren in Singapur lebt, von Luzern und dem «Château Gütsch». Über 50-mal habe er die Schweiz bereits besucht, dabei habe ihm Luzern von allen Plätzen, die er besucht habe, am besten gefallen, und ins «Gütsch» habe er sich verliebt. 
Seine Vision ist, die Luzerner Bevölkerung mit dem «Château Gütsch» wieder vertraut zu machen. «Sie sollen sich hier wohl und zu Hause fühlen», erklärte er in Englisch. Es ist sein erstes Engagement in einen Hotelierbetrieb. Auch Benno P. Hafner, ein Luzerner Rechtsanwalt, der das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der Château Gütsch AG übernimmt, ist nicht im Hotelgewerbe zu Hause. Aktuell ist neben Hafner und Androsov erst Philipp Kindt, ein schweizerisch-deutscher Doppelbürger, der ebenfalls in Singapur beheimatet ist, für den Verwaltungsrat gesetzt. «Wir weiten den Verwaltungsrat nun aus. Die Mehrheit soll mit der Region verbunden sein», betont Hafner. Im Verwaltungsrat sollen mindestens zwei Frauen Einsitz nehmen. 
In einem ersten Treffen mit dem neuen Investoren hätten auch Tourismusdirektor Marcel Perren, Präsident Martin Bütikofer  und Stadtpräsident Beat Züsli letzte Woche ihre Erwartungen an die neuen Betreiber gerichtet. «Sie haben uns klar aufgezeigt, dass sie sich wünschen, dass das ‹Gütsch› mehr als ein Fotografie-Wahrzeichen ist», so Hafner.
Zwischen Luxus und Spaziergängern
Doch wie will man die Luzernerinnen und Luzerner wieder vermehrt ins «Gütsch» locken? Gelingen soll dies einerseits mit einer Mittagskarte, die auf einem vernünftigen Preisniveau angesiedelt ist, am Nachmittag will sich das Hotel für Nutzer des Naherholungsgebiets öffnen, man soll sich nach einem Waldspaziergang im Schloss zu Kaffee und Kuchen treffen. Auch Vereine wollen die Verantwortlichen vermehrt ansprechen, mit einigen, wie der Bruderschaft der Herrgottskanoniere Luzern, stand Benno P. Hafner bereits in Kontakt.
«Wir wollen als ein cooles charming Boutique-Hotel wahrgenommen werden, bei dem auch die Tradition des Schlosshotels weitergelebt wird», beschreibt Hafner die neue Vision. Das Hotel wird als Viersterneplus-Betrieb weitergeführt, bieten will man aber die Qualität eines Fünfsternehotels. «In allem, was wir machen, wollen wir hohe Qualität bieten», erklärt Andreas Gartmann, der seit 2019 Direktor des Hotels ist und dies auch in Zukunft führen wird. Der Charakter der Küche soll mit einer internationalen französischen Küche in Zukunft eine Ergänzung zum Gastro-Angebot in Luzern bieten. 

Umbauarbeiten ab Oktober
Das Hotel und das Restaurant sind noch bis Ende September geöffnet. Danach stehen während dreier Monate Umbauarbeiten an. «Es soll heller und moderner werden», verkündet Benno P. Hafner. Konkret sollen die düsteren «Waffengänge» helleren Korridoren weichen, der Eingangsbereich soll komplett umgestaltet werden und die Terrasse stilistisch besser der Bar angeglichen werden. Auch der Rittersaal passe nicht mehr ins Konzept, wie dieser genau aussehen soll, ist aber noch nicht bestimmt.
Der Panoramasaal wird zusätzlichen sechs Suiten und normalen Hotelzimmern weichen, da der Saal in der Vergangenheit nur marginal belegt gewesen sei. So wird das Hotel im Januar mit rund 40 Zimmern aufwarten. Gemäss Verwaltungsratspräsident Benno P. Hafner bewegen sich die Kosten für den Umbau im «einstelligen Millionenbereich».

Die Bahn soll besser funktionieren
Verbessern soll sich die Situation mit der Gütschbahn, die vor fünf Jahren saniert wurde. «Leider wurde die Sanierung technisch nicht durchdacht. Der Antrieb ist in der Talstation anstatt in der Bergstation. Deshalb ist es immer wieder zu Defekten gekommen», bedauert Hafner. Erste Anpassungen wurden bereits gemacht. «Wir wollen garantieren, dass die Bahn immer funktioniert», verspricht Hafner, denn nicht nur das «Gütsch», auch die Talstation soll in Zukunft ein Blickfang sein. Die Bergstation wurde bereits neu gestrichen und leicht renoviert. 
Kirill Androsov scheint sich tatsächlich in Luzern und das «Gütsch» verliebt zu haben. «Ich habe gestern das erste Mal hier übernachtet und die Aussicht genossen. Ich fand es wunderschön, obwohl es geregnet hat», sagte er auf der Terrasse. «So eine Aussicht kann man eigentlich nicht kaufen, doch ich habe es geschafft.» Ob es ihm gelingen wird, die Luzernerinnen und Luzerner die Liebe für das «Château Gütsch» neu zu entfachen, wird die Zukunft weisen. Marcel Habegger