Schärer Linder

26.04.2021

Die nächste Car-Lösung ist da

Die Cars sollen beim Luks parkieren, die Gäste anschliessend via Tunnel in die Altstadt gelangen. Quelle: IG Stadtpassage

Die Cars sollen beim Luks parkieren, die Gäste anschliessend via Tunnel in die Altstadt gelangen. Quelle: IG Stadtpassage

Nach dem Musegg-Parking, der Metro, dem Seeparking kam letzte Woche eine neue Idee auf den Tisch: Die Cars sollen beim Kantonsspital parkieren und die Touristen via Tunnel in die Altstadt gelangen.

Das Projekt «Stadtpassage» soll nicht nur das Carproblem in der Innenstadt lösen, es soll auch eine Stadt der kurzen Wege schaffen. Die erste Etappe auf dem Areal des Luzerner Kantonsspitals befindet sich bereits in der Bauphase, die Arbeiten für die zweite Etappe werden voraussichtlich 2026 in Angriff genommen. Hier setzt das Vorhaben Stadtpassage an: Gemeinsam mit der zweiten Bauetappe soll ab 2028 ein weiteres Untergeschoss für die Carparkierung erstellt werden, das Platz für 30 bis 40 Cars bietet. Die Zufahrt erfolgt über eine neue, unterirdische Zufahrt direkt ab der Sedelstrasse. «Diese Verbindung könnte von Autos mitgenutzt werden und würde damit die Spitalstrasse und die Friedentalstrasse spürbar vom motorisierten Verkehr entlasten», sagt der Präsident des Vereins IG Stadtpassage, Roger Sonderegger.

Von der neuen Parkierungsanlage würden die Gäste über eine rund 800 Meter lange Stadtpassage zu Fuss direkt ins Herz der Altstadt gelangen. «Die Innenstadt wird vom Carverkehr weitgehend befreit, und mehrere wichtige Plätze und Grünanlagen werden frei für andere Nutzungen. Es entsteht eine sichere, direkte und komfortable Fussgängerverbindung zwischen Spital und Altstadt. All dies fördert eine Stadt der kurzen Wege», meint Sonderegger. 

 

Zusätzliche Zugänge möglich

Weitere Zugänge, zum Beispiel eine Fussgängerverbindung ins Friedental oder eine vertikale Erschliessung des Bramberg-Quartiers, wären für die Initianten denkbar. «Mit Sicherheit lässt sich bereits heute festhalten, dass relativ genaue Kostenschätzungen möglich sind, da in Molasse gebaut wird, die als gut bohrbar gilt. Das belegen bestehende Tunnel und Bauwerke vor Ort», verspricht Sonderegger. Die IG Stadtpassage ist überzeugt, dass die in den letzten Monaten entwickelte Projektidee einen veritablen Befreiungsschlag in der politisch blockierten städtebaulichen und verkehrstechnischen Planung darstellt. «Sie wird sich unter anderem als ideale Ergänzung zu den baulichen Massnahmen des kommenden Durchgangsbahnhofs erweisen», erklärt Roger Sonderegger.

Falls die Projektidee «Stadtpassage» bei der Politik und in der Bevölkerung den entsprechenden Anklang findet, folgt eine detaillierte Machbarkeitsstudie als nächster Schritt. Das Zeitfenster, das die Bautätigkeiten im Spitalbereich einmalig öffnen, macht eine straffe Planung ab 2023 notwendig. Spätestens 2024 muss diese konkretisiert und abgeschlossen sein. Die IG Stadtpassage rechnet damit, dass das Vorhaben teilweise bereits im Jahr 2026 in die Realisierungsphase gelangen könnte. Sämtliche Planungsschritte müssen parallel und koordiniert mit jenen des Kantonsspitals ausgeführt werden.

 

Kritische Voten aus der Politik

«Ich kann die Realisierbarkeit dieses Vorschlages nicht einschätzen», sagt etwa Simon Roth, Fraktionspräsident der SP. «Zudem scheint mir im Moment tatsächlich der falsche Zeitpunkt, um isoliert über einzelne Projekte zu sprechen. Zuerst muss die grundsätzliche Frage geklärt werden, ob wir nach der Pandemie tatsächlich noch diese Art von Cartourismus wollen.» Ebenfalls kritisch sieht dies Christian Hochstrasser Fraktionschef der Grünen. Ein Projekt zu realisieren, für mehr als 70 Millionen, welches erst in 10 Jahren oder später eröffnet werden könnte, erachten wir als wenig sinnvoll, um Probleme zu lösen, welche bis dann wahrscheinlich ganz anders aussehen.» Die grundsätzliche Realisierung eines Tunnels zwischen dem Kantonsspital und Altstadt, insbesondere als Fusswegverbindung und zur Nutzung für Fernwärmeleitungen betrachten die Grünen jedoch als prüfenswert. «Ob dabei Nutzen und Kosten in einem sinnvollen Verhältnis sind, müsste abgeklärt werden», so Hochstrasser. Für Jules Gut (GLP) und Marco Baumann (FDP) sind noch zu wenig Details bekannt, um sich zur neuen Idee zu äussern. Marco Baumann sagt lediglich: «Es scheint doch sehr an das Metro-Projekt angelehnt, weshalb es sicher realistisch und umsetzbar ist. Jedoch hat das Volk einer solchen Idee eine Abfuhr erteilt. Unsere Fraktion wird sich eine Meinung bilden können, sobald mehr Informationen vorliegen.»

PD/Marcel Habegger

 

Box: Die IG Stadtpassage
Der Verein IG Stadtpassage wurde im März 2021 gegründet und hat seinen Sitz in der Stadt Luzern. Der politisch unabhängige Verein privater Initianten verfolgt als Vereinszweck die Planung und Projektierung einer Carparkierung auf dem Areal des Luzerner Kantonsspitals und einer neuen Fussverbindung in die Luzerner Altstadt. Der Vorstand der IG Stadtpassage besteht aus Roger Sonderegger (Präsident), Mark Imhof (Raumentwicklung und Architektur), Thomas Gasser (Felstechnik und Geologie), Bruno Affentranger (Kommunikation) und Pius Jenni (Vertretung Luzerner Kantonsspital, Luks).

 

 

Die Grundsatzdiskussion ist einen Schritt weiter

 

Die Stadt Luzern hat in einem partizipativen Prozess 18 Ziele erarbeitet, denen beim neuen Carregime besondere Beachtung geschenkt werden sollen. Die fachliche Prüfung dieser Ziele soll im Herbst vorliegen.

In der Stadt Luzern wurden in den letzten Jahren vor allem von privater Seite verschiedene Infrastrukturprojekte vorgeschlagen (siehe Text oben) und diskutiert, mit denen die Parkierung von Touristencars in der Innenstadt ermöglicht werden sollte. Die kontroversen Diskussionen haben gezeigt, dass eine isolierte Beurteilung von Einzelprojekten nicht zielführend ist und dass es zuerst eine grundsätzliche Diskussion braucht, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Der Stadtrat hat deshalb Ende 2019 entschieden, einen partizipativen Strategieprozess mit dem Ziel durchzuführen, eine mehrheitsfähige Lösung im Bereich Carregime zu entwickeln. 

Um der Komplexität des Vorhabens gerecht zu werden und die in diesem Projekt erforderliche Neutralität zu gewährleisten, wird der Prozess durch die Firma Gruner AG, Basel, begleitet. In einem ersten Schritt wurde – unabhängig von konkreten Projekten – ein gemeinsames Verständnis über die Zielsetzungen, Randbedingungen und Bewertungskriterien des künftigen Carregimes erarbeitet. Dazu wurden Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen, Vereinen und Institutionen aus den Bereichen Tourismus, Wirtschaft, Bevölkerung, Mobilität, Politik, Gemeinwesen/Verwaltungen sowie Interessenvertretungen im Zusammenhang mit konkreten Parkhausprojekten zu drei Veranstaltungen eingeladen. Wegen Corona mussten die zweite und dritte Veranstaltung verschoben und schliesslich in digitaler Form durchgeführt werden.

 

Wenig Verkehr und hohe Sicherheit

Im Rahmen des partizipativen Prozesses wurde ein Zielsystem erarbeitet. So wurde unter anderem festgelegt, dass ein künftiges Carregime möglichst wenig Verkehr verursachen soll, dass die Car-Parkplätze möglichst wenig negative Auswirkungen auf das Umfeld haben oder dass die Verkehrssicherheit im Umfeld von Halte- und Parkplätzen für alle Verkehrsteilnehmende gewährleistet sein muss. Die insgesamt 18 Ziele wurden in den Workshops zwar gemeinsam erarbeitet. Die abschliessende Gewichtung der Ziele zeigte aber, dass nicht alle als gleich wichtig erachtet werden. Kontrovers diskutiert wurde unter anderem, wie wichtig es ist, dass die Anhalteplätze für die Reisecars des künftigen Carregimes in Gehdistanz zu den Zielorten der Gruppengäste liegen sollen und ob bei der Erstellung von neuen Carparkplätzen zwingend Ersatzmassnahmen für den wegfallenden Freiraum umgesetzt werden müssen.

 

Lösungen fachlich bewerten

In den Workshops wurden den 18 Zielen auch mindestens je ein Kriterium zugeordnet. Diese Kriterien sind die Grundlage, um in der nächsten Phase die zahlreichen Projektideen zu bewerten. Die Fachleute der Firma Gruner AG werden bei den Standortvarianten und Lösungsideen aus dem Konzept Carparkierung von 2017, bei den Gesamtlösungen wie dem Parkhaus Musegg oder dem Seeparking unter dem Schweizerhofquai sowie bei weiteren Ideen für einzelne Standorte oder für ganze Räume anhand der Kriterien überprüfen, inwieweit sie die Ziele erfüllen. Die Ergebnisse dieser Bewertung und die fachlichen Empfehlungen liegen im Herbst vor. Zum erneuten Einbezug der Direktbetroffenen ist für diese im September eine Veranstaltung mit anschliessender Vernehmlassungsphase vorgesehen. Der Stadtrat wird Anfang 2022 in Form eines Berichts und Antrags zuhanden des Parlaments zur fachlichen Bewertung Stellung nehmen und seinen Vorschlag für das künftige Carregime der Stadt Luzern präsentieren. 

Parallel zum Strategieprozess Carregime wurde auch der Strategieprozess Tourismus lanciert. Ziel dieses Prozesses ist die Erarbeitung einer Vision Tourismus Luzern 2030, wie dies auch in einer im Januar 2019 vom Grossen Stadtrat überwiesenen Motion verlangt wird. Die beiden Prozesse stehen thematisch in einem engen Zusammenhang und sind aufeinander abgestimmt. Auch der Strategieprozess Tourismus wird partizipativ durchgeführt. Die Resultate und Erkenntnisse dieser Arbeiten werden voraussichtlich Ende 2021 dem Parlament unterbreitet und damit auch öffentlich.

PD