Schärer Linder

11.01.2021

Indikator für die Wasserqualität

Bachflohkrebse ernähren sich von Falllaub im Wasser. Sie sind ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Vögel. Bild: Verena Lubini

Bachflohkrebse ernähren sich von Falllaub im Wasser. Sie sind ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Vögel. Bild: Verena Lubini

Der Bachflohkrebs ist in der Schweiz das Tier des Jahres. Der Bestand der Krebse widerspiegelt die Wasserqualität in einzelnen Gewässern und zeigt auch auf, wo in Luzern die Probleme liegen.

Nach der Wildkatze im Jahr 2020 hat Pro Natura in diesem Jahr den Bachflohkrebs zum Tier des Jahres gewählt. Er ist die häufigste Flohkrebsart der Schweiz und besiedelt fast alle Landesteile von den tiefsten Lagen bis auf etwa 1300 Meter über Meer.

Im Zentrum steht allerdings in diesem Jahr nicht alleine der Bachflohkrebs, sondern die Wasserqualität der Schweizer Gewässern. Für diese gelten die Bachflohkrebse als wichtige Indikatoren, denn Pestizide und schlecht geklärte Abwässer schädigen oder töten diese Tiere.

 

Zum Teil schlechte Werte in Luzern

Bachflohkrebse sind empfindlich für geringen Sauerstoffgehalt und wenn Gewässer durch Pestizide verschmutzt werden. Dies zeigt sich auch im Kanton Luzern, beispielsweise im Gebiet Sempachersee, wo die Wasserqualität zum Teil beeinträchtigt ist. Aber auch im Gebiet um den Baldegger- und den Hallwilersee konnte das Team von Amphipod.ch lediglich eine geringere Diversität von nur zwei Arten von Flohkrebsarten nachweisen. «Uns liegen nicht für alle Gewässer spezifische Erhebungen vor. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass bei so stark verschmutzten Gewässern in schlechtem Zustand nur wenige oder gar keine Bachflohkrebse vorkommen können», sagt Florian Altermatt. Der Forscher ist Projektleiter von Amphipod.ch, einem Team, das seit 2012 viel neues Wissen über die Bachflohkrebse in der Schweiz gesammelt hat. Das Forschungsteam watete durch Gewässer, zwängte sich durch Höhlen und durchstöberte Quellfassungen. Was die Forscher fanden, landete unter dem Mikroskop und in genetischen Untersuchungen. 

 

Art nicht mehr gefunden

Im Vierwaldstättersee hat das Forschungsteam nach einer einheimischen, die Tiefen bewohnenden Art, der Niphargus forelii, gesucht. Sie wurde dort letztmals in den 1940er-Jahren gefunden. «Wir konnten sie nicht mehr finden, allenfalls ist sie während der Eutrophierung des Sees in den 1970er- bis 1990er-Jahren ausgestorben. Dafür wurde im Vierwaldstättersee eine neue Art entdeckt. «Wir haben erstmals eine nicht einheimische Flohkrebsart, den Höckerflohkrebs, nachweisen können», erklärt Altermatt. Diese kommt im See erst seit wenigen Jahren vor. Sie wurde, wohl über Privatboote, in den See eingeschleppt. Nur Grund zur Freude über den Fund ist aber, wie der Projektleiter erklärt, nicht angebracht: «Es ist eine nicht einheimische, invasive Art, welche das Ökosystem negativ beeinflussen kann», gibt der Spezialist zu bedenken.

Marcel Habegger/PD