Schärer Linder

11.01.2021

«Ich erhalte täglich 40 Anrufe»

André Hager von der Schweizer Langlaufschule Luzern wird aktuell von Anfragen für Langlaufkurse überflutet. Bild: Bruno Gisi

André Hager von der Schweizer Langlaufschule Luzern wird aktuell von Anfragen für Langlaufkurse überflutet. Bild: Bruno Gisi

Die Skigebiete im Kanton Luzern haben seit Freitag wieder geöffnet. Die eingefleischten Langläuferinnen und Langläufer werden froh sein, denn in den letzten Wochen wurden die Loipen im Eigenthal zum Teil so stark überlaufen wie selten in den letzten Jahren.

Kein Schnee und faktisches Berufsverbot wegen Corona. So sah die triste Situation letztes Frühjahr für den Langlauftrainer André Hager aus dem Eigenthal aus. Zehn Monate später präsentiert sich ein völlig anderes Bild: Bereits im Dezember beste Langlaufbedingungen und überfüllte Loipen am Wochenende im Eigenthal – nun wird André Hager von Anfragen überrannt: «Ich erhalte rund 40 Anrufe pro Tag», erzählt er. Hager ist ein One-Man-Betrieb, momentan geht kein Arbeitstag vor Mitternacht zu Ende. Es sei eine andere Klientel, die ihn jetzt kontaktiere, Leute, die zu Zeiten von Corona eine alternative Freizeitaktivität suchen würden.

«Der Langlauf-Boom ist durchaus nicht neu, hat aber wegen Corona nochmals ein neues Level erreicht», sagt Hager, der in Malters auch den Langlaufshop X-Lounge betreibt. «Früher kamen die Leute aufgrund des Schweizer Aushängeschilds Dario Cologna zum Langlauf. Heute weil sie nicht mehr so viel fürs Skifahren bezahlen wollen, oder zuletzt, weil die Skigebiete bis jetzt geschlossen waren (siehe Zweittext). Wegen der Schutzbestimmungen kann André Hagerer aktuell lediglich vier Schülerinnen und Schüler pro Kurs unterrichten, normalerweise hätte eine Gruppe Platz bis weit mehr als 20 Personen.

Auch Pius und Anita Schnider von Outdoor-Anbieter Erlebnis Natur im Sörenberg stellen bei den Buchungen von Langlaufkursen und Schneeschuhwanderungen im Vergleich zu den letzten Jahren eine Zunahme fest. «Man spürt, dass sich die Leute bewegen wollen», sagt der ehemalige Spitzenlangläufer Pius Schnider.

 

Keine Schnellschüsse der Skischule

Die Skilehrerinnen und Skilehrer konnten die letzten Wochen nicht viel anderes machen als Däumchen drehen. «Wir haben praktisch von einem Tag zum anderen gelebt», sagt Skischulleiterin Lisa Zamudio, Leiterin der Skischule in Sörenberg, die nun entsprechend froh ist, dass die Skigebiete wieder öffnen durften. Den zumindest zwischenzeitlichen Langlauf-Boom hatte auch Zamudio festgestellt. Kurzfristig Langlaufkurse anzubieten, hätte sich aber nicht mit dem Qualitätsanspruch der Schweizer Skischule vereinbaren lassen. «Bei uns unterrichtet nur, wer entsprechend ausgebildet ist», erklärt sie. «Diese Qualität können wir im Langlauf nicht sicherstellen. Deshalb haben wir verzichtet und die Interessierten an Pius Schnider vermittelt.»

 

Kurse praktisch ausgebucht

Dass die Pisten lange nicht offen waren, spürte auch der Outdoor-Spezialist Bächli Bergsport. «Gerade bei den Schneeschuhen war die Nachfrage im Dezember massiv», erläutert Jan Maurer, Marketingverantwortlicher. Die Regale waren praktisch leer. Auch praktisch alles Mietmaterial war ausgeliehen. «Dank unseren guten Beziehungen werden wir noch Nachlieferungen von Herstellern erhalten», verspricht er.

Die aktuelle Situation hat sich auch auf die Auslastung der Kurse ausgewirkt. Die Schneetouren sind bei Bächli Bergsport bis Ende Januar praktisch ausgebucht. Maurer attestiert der Kundschaft aber einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Risiko in der Natur. «Wir machen die Kundinnen und Kunden in unseren Filialen natürlich auch auf mögliche Gefahren aufmerksam», sagt Maurer. Entsprechend seien auch die Lawinenkurse ausgebucht.

Marcel Habegger