Schärer Linder

16.11.2020

Auch in der Krise gibt es eine Plakette

Der Gestalter der LFK-Plakette, Roger Stalder, im Fasnachtskostüm des vergangenen Winters. Bilder: PD
Die Plakette 2021.

Der Gestalter der LFK-Plakette, Roger Stalder, im Fasnachtskostüm des vergangenen Winters. Bilder: PD

Der Gestalter der LFK-Plakette, Roger Stalder, im Fasnachtskostüm des vergangenen Winters. Bilder: PD
Die Plakette 2021.

Die Plakette 2021.

Die Fasnacht 2021 wird in ganz anderer Form stattfinden. Aber sie wird über die Bühne gehen, viel stiller, dank engagierter Fasnächtler wie Roger Stalder, der die LFK-Plakette dieses speziellen Jahrgangs gezeichnet hat.

Herzliche Gratulation zur Selektion Ihrer Plakette. An der offiziellen Verkündigung konnten Sie nicht dabei sein ...
Ich stecke gerade in Quarantäne, meine Frau und meine Tochter wurden positiv auf Covid-19 getestet. Aber es geht ihnen recht gut, ich persönlich fühle mich gesund.

Was bedeutet die Krise für Ihr Geschäft?
In einem normalen Jahr wäre ich um diese Jahreszeit im Dauerstress. Mir fehlen vier Musigen, für die ich Masken realisiere, dazu viele Einzelmasken. Rund 50 Prozent meines Umsatzes sind weg. Zudem wird es auch Auswirkungen auf 2021 haben, da ja dieses Jahr nicht gebrauchte Masken nächstes Jahr zum Einsatz kommen.

Haben Sie Möglichkeiten, in anderen Bereichen tätig zu sein?
Mit meinem Handwerk arbeite ich zu 80 Prozent für die Fasnacht. Seit 2005 bin ich selbstständig, es ging stetig bergauf. 2020 wollte ich meine Firma sogar zusammen mit einer Kollegin ausbauen. Mit Corona kam alles anders, ich musste mir die Frage stellen, ob ich mein Unternehmen halten kann. Da ich schon als Museumstechniker im Sankturbanhof in Sursee gearbeitet hatte, war es naheliegend, in diesem Bereich eine Anstellung zu suchen. Ich hatte Glück und arbeite nun 50 Prozent als Techniker im Museum Altes Zeughaus in Solothurn. Eine tolle Arbeit und ein wunderschönes Haus. Was ich zudem noch ausbauen könnte, ist der Bereich der Restaurationen.

14 Mal haben Sie Plakettenentwürfe ans Lozärner Fasnachtskomitee gesandt, zweite und dritte Plätze gab es schon, 2020 hat’s geklappt. Ahnten Sie es, als Sie die Plakette gestaltet haben?
Es war tatsächlich so, dass ich während des Lockdowns einen richtigen Geistesblitz hatte. Ich bin eigentlich eher ein langsamer Zeichner, aber diese Plakette ging mir ganz locker von der Hand. Dennoch war mir klar, dass es schwierig werden würde, mich gegen 18 sehr gute, konkurrierende Zeichner durchzusetzen. Als am 29. Mai die Geschäftsleitung des LFK anrief, musste ich mich zuerst setzen. Die Freude war riesengross. Es war ein Bubentraum von mir, dass Menschen an der Fasnacht eine Zeichnung von mir am Mantel tragen.

Wobei es ja nicht Ihre erste Plakette ist, die zum Einsatz kommt.
In Sursee darf ich seit sieben Jahren die Plakettenserie gestalten, auch die nächsten drei Jahre. Für verschiedene Guuggenmusigen gestalte ich zudem seit Jahren die Kunststoffplaketten.

Und jetzt die LFK-Plakette: Was ist Ihr Bezug zur Fasnacht an der Reuss?
Meine ganze Familie ist fasnachtsbegeistert. Seit frühster Jugend haben wir Masken gestaltet. Mein Onkel war viele Jahre bei der Müsäli-Musig und als Einzelmaske unterwegs. Er hat mich oft nach Luzern mitgenommen. Meine Begeisterung für Masken entstand auch durch das Interesse an den Kulturfasnachtsgruppen Rätschhäxe und Nostradamus. 12 Jahre war ich in der Guuggenmusig Sooregosler Oberkirch aktiv. 2004 gründete ich die Fisigöggeler Soorsi. Seit 2006 waren wir eine offizielle Nummer am Luzerner Umzug. Ja, ich bin sehr eng verbunden mit der Luzerner Fasnacht.

Wie beurteilen Sie die Fasnachtsentwicklungen der letzten Jahre?
Ein Problem ist die Masse der Menschen. Das äussert sich in verschiedenen Bereichen. Beispielsweise beim fehlenden Respekt und «Platzmachen» für Guuggenmusigen und Maskengruppen. Um den Massen auszuweichen, gingen wir mit meiner Familiengruppe immer in das Gebiet Kesselturm und in unsere Stammbeiz Mardi gras. Aber auch da ist es inzwischen sehr voll. Positiv hingegen ist die gezeigte Kreativität. Man befürchtete ja vor ein paar Jahren, die Fasnacht werde mit Massenware aus China überflutet. Das Gegenteil ist der Fall. Insbesondere Familien machen Grossartiges selbst. Ein weiteres Indiz sind die LFK-Maskenkurse, die jeweils innert Stunden ausgebucht sind.

Wie beurteilen Sie die Feedbacks auf die Absage der grossen Fasnachtsanlässe 2021?
Ich musste schmunzeln über die Reaktion gewisser Guuggenmusigen: «Weil wir es nicht machen können wie immer, machen wir keine Fasnacht.» Dabei vergessen die Vereine die in ihren Statuten enthaltene Pflicht zur Pflege des Brauchtums – wie auch immer dies machbar ist. Perfektes Beispiel ist das LFK. Die versuchen mit allen möglichen Mitteln, das Brauchtum auch 2021 zu pflegen. Unter anderem mit der Lancierung der Plakette und eines Fasnachtsmagazins. Ich wage die heikle Aussage: Jetzt in der Pandemie spürt man den Fasnächtler, der nicht nur der Party wegen an die Fasnacht geht. Dieses Zwischenjahr gibt die Möglichkeit, uns Gedanken zu den Werten der Fasnacht zu machen.

Auf Ihrer Plakette sind drei Hauptprotagonisten der Fasnacht abgebildet.
Der Narr als zentrale Figur umarmt den Gugger und den Huerenaff. Er ist dadurch nicht wichtiger als die anderen. Ohne die hätte er ja niemanden zum Umarmen. Es ist ein Statement zur Tatsache, dass wir alle brauchen für eine gelungene Fasnacht.

Die Fasnacht 2021 wird kaum in der Öffentlichkeit stattfinden. Warum sollen Luzernerinnen und Luzerner die Plakette trotzdem kaufen?
Mit den Erträgen aus dem Plakettenverkauf unterstützt das LFK seit vielen Jahren karitative Zwecke. Dieses Jahr werden auch Personen aus der Fasnachtsszene unterstützt, die in der aktuellen Lage in Schwierigkeiten geraten sind. Zudem demonstriert man mit dem Kauf Solidarität mit dem LFK und seinen Bemühungen zur Pflege des Brauchtums, seit jetzt 70 Jahren. 10 Franken für eine Silberplakette, 20 Franken zusammen mit dem Magazin sind selbst jetzt in schwieriger Zeit eine tragbare Investition. Ein richtiger Fasnächtler trägt auch in der Krise eine Plakette.

Andréas Härry

 

Box: Die Künstler und die LFK-Plakette

Roger Stalder (48) ist in Sursee aufgewachsen, wo er heute noch in seinem Atelier arbeitet. Er ist gelernter Holzbildhauer und Restaurator, besuchte diverse Weiterbildungen an den Kunstgewerbeschulen Luzern und Bern. Die Luzerner Fasnachtsplakette gibt es in Kupfer (8 Franken), Silber (10 Franken) und Gold (80 Franken). Sie wird einzeln oder in Kombination mit dem LFK-Fasnachtsmagazin verkauft. Weitere Plakettenvarianten und Informationen: lfk.ch.