Schärer Linder

02.11.2020

Erschwerte Berufswahl

Für die diesjährige Berufsmesse hatten sich bereits über 10 000 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Bild: PD

Für die diesjährige Berufsmesse hatten sich bereits über 10 000 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Bild: PD

Die Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi kann wegen Corona nicht stattfinden. Der Direktor des Gewerbeverbandes befürchtet, dass dies Auswirkungen auf die Berufswahl haben könnte.

Karin Lewis, Bereichsleiterin Arbeitsmarkt des WAS wira, äusserte an einer Pressekonferenz Mitte Oktober die Befürchtung, dass es Schüler wegen Corona schwerer haben könnten, 2021 eine Lehrstelle zu finden. «Es wird Betriebe geben, welche aufgrund von Unsicherheiten oder Problemen keine Lehrstellen schaffen können», sagt auch Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands. Gemäss dem Gewerbeverband und der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern ist ein solcher Trend aktuell aber noch nicht festzustellen. «Unsere praxisorientierte Berufsbildung ist ein zentrales Element des wirtschaftlichen Erfolgs der Schweiz. Bricht dieses weg, haben wir mittelfristig ein enormes Problem», sagt der Direktor des Gewerbeverbands. «Wäre das der Fall, so müsste man umgehend reagieren.»

 

Bisher keine Abnahme zu sehen

Auch bei angefragten Luzerner Unternehmen ist ein entsprechender Trend nicht auszumachen. «Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben nach dem Lockdown kurzfristig noch Lehrverträge abgeschlossen», sagt Markus Hesse, Geschäftsführer von Emil Frey, Ebikon und Kriens. «Wir sind selbst verantwortlich, dass wir zu unseren Fachkräften kommen», so Hesse weiter. Bei Emil Frey, Ebikon und Kriens, werden auch für nächsten Sommer wieder acht bis zehn Lehrverträge abgeschlossen.

Auch bei der Confiserie Bachmann sind für 2021 erneut 15 bis 18 Lehrstellen geplant. «Der Prozess ist am Laufen», sagt Mitinhaber Matthias Bachmann. Auch Schnupperlehren würden angeboten, jedoch gezielter als zu normalen Zeiten.
Bei der Migros werden trotz den erhöhten Hygiene- und Schutzbestimmungen Schnupperlehren mit entsprechenden Schutzmassnahmen angeboten. «Neben dem Schnuppern hat sich das Angebot eines Berufserkundungstages sehr bewährt. Diese konnten dank Schutzkonzept bereits wieder ab Mitte April durchgeführt werden», sagt Antonia Reinhard, Sprecherin der Migros Luzern. «Wir spüren nach wie vor ein grosses Interesse an den Lehrstellen im Detailhandel und haben keine Schwierigkeiten, die Ausbildungsplätze zu besetzen.»

Im Kanton Luzern wurde im Detailhandel zuletzt ein Lehrstellenrückgang von 11 Prozent registriert. Gaudenz Zemp rechnet im Hinblick auf die Anzahl Lehrverträge auch bei Eventanbietern sowie in der Gastronomie und der Hotellerie mit einem Rückgang. Das Seehotel Hermitage hat beispielsweise bereits beide Lehrverträge für das Jahr 2021 abgeschlossen. «Auch Schnupperlehren werden wie gewohnt durchgeführt», sagt Seline Wendel, HR-Managerin beim Hermitage.

 

Erschwerte Umstände

Die Berufswahl wird durch die Absage der Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi erschwert. Über 10 000 Schülerinnen und Schüler hatten sich, vorwiegend mit ihren Schulkassen, für die Messe vom 5. bis 8. November angemeldet. Aufgrund der neuen Verordnungen des Bundesrates kann die Messe nun nicht stattfinden. «Bereits im vergangenen halben Jahr haben die Folgen der Covid-19-Pandemie ein Vakuum in der Berufswahl erzeugt, und viele Veranstaltungen oder Schnupperlehren mussten abgesagt werden», sagt Messeleiter Markus Hirt. «Die Zebi wäre gerade in der aktuellen Situation eine geeignete Plattform gewesen, um sich einen ganzheitlichen Überblick über Berufsmöglichkeiten zu verschaffen», so Markus Hirt.

Gaudenz Zemp hofft, dass sich die Absage der Zebi und der Schnupperlehren nicht negativ auf die Berufswahl auswirken wird. «Die erschwerten Umstände könnten dazu führen, dass ungeeignete Berufe beziehungsweise Betriebe gewählt werden und es dann zu mehr Lehrabbrüchen kommt.» 

 

Tools bleiben verfügbar

Der erschwerten Umstände sind sich auch die Verantwortlichen bei der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung bewusst. «Unsere fachverantwortlichen Berufsberaterinnen und -berater des Berufsbildungszentrums werden mit den Schulen Kontakt aufnehmen, über die möglichen Angebote informieren und die Lehrpersonen bedarfsorientiert unterstützen», erklärt der Dienststellenleiter Christof Spöring. Das im Rahmen der Zebi geplante Webinar «Wie bewirbt man sich heute?» vom 5. bis 7. November wird ebenfalls durchgeführt. Anmelden kann man sich via Zebi-Webseite unter zebi.ch/grundbildung. Auf der Website der Messe stehen zahlreiche weitere Tools, die bei der Berufswahl unterstützen, zur Verfügung. So beispielsweise der Berufscheck sowie ein Verzeichnis mit Informationen und Kontakten zu 140 verschiedenen Berufen.

Marcel Habegger