Schärer Linder

19.10.2020

«Wir sind nun alle extrem gefordert»

Arg gebeutelt von Covid-19 wurde auch die Uhrenindustrie. Bucherer gab bereits im August eine massiven Stellenabbau bekannt. 170 Stellen waren am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern betroffen. Bild: Marcel Habegger
Regierungsrat Guido Graf. Bild: Marcel Habegger
Bereichsleiterin Arbeitsmarkt Karin Lewis. Bild: Marcel Habegger

Arg gebeutelt von Covid-19 wurde auch die Uhrenindustrie. Bucherer gab bereits im August eine massiven Stellenabbau bekannt. 170 Stellen waren am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern betroffen. Bild: Marcel Habegger

Arg gebeutelt von Covid-19 wurde auch die Uhrenindustrie. Bucherer gab bereits im August eine massiven Stellenabbau bekannt. 170 Stellen waren am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern betroffen. Bild: Marcel Habegger
Regierungsrat Guido Graf. Bild: Marcel Habegger
Bereichsleiterin Arbeitsmarkt Karin Lewis. Bild: Marcel Habegger

Regierungsrat Guido Graf. Bild: Marcel Habegger

Arg gebeutelt von Covid-19 wurde auch die Uhrenindustrie. Bucherer gab bereits im August eine massiven Stellenabbau bekannt. 170 Stellen waren am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern betroffen. Bild: Marcel Habegger
Regierungsrat Guido Graf. Bild: Marcel Habegger
Bereichsleiterin Arbeitsmarkt Karin Lewis. Bild: Marcel Habegger

Bereichsleiterin Arbeitsmarkt Karin Lewis. Bild: Marcel Habegger

Noch liegt die Arbeitslosenquote im Kanton Luzern unter dem Schweizer Durchschnitt. Regierungsrat Guido Graf erwartet jedoch, dass sich die Zahl bis im Februar 2021 auf 11 000 Arbeitslose erhöhen wird.

Ende September waren rund 9000 Personen im Kanton auf Stellensuche. Dies sind rund 2800 Personen mehr als im Vorjahresvergleich. Am meisten Arbeitslose gab es Ende September bei den Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeitern (1070) und in Dienstleistungsberufen und im Verkauf (1071).

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell im Kanton mit 2,3 Prozent also noch unter dem Schweizer Durchschnitt (3,2 Prozent). Regierungsrat Guido Graf erwartet jedoch, dass die Anzahl Stellensuchende bis im Februar 2021 auf 11 000 Personen ansteigen wird. «Wir sind nun alle extrem gefordert, damit wir diese Leute gut betreuen und integrieren können», sagte der Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzerns, Guido Graf, am Donnerstag vor den Medien. «Wir mussten bei WAS wira massiv Stellen schaffen, damit wir das alles bewältigen können», erklärt er weiter.

Zu normalen Zeiten arbeiten rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Beratungsstelle, aktuell sind es 110. Bereits ist man mit der Schaffung von zehn weiteren Stellen beschäftigt. Ein Teil der neu geschaffenen Stellen konnten mit angemeldeten Stellensuchenden besetzt werden, ein Teil wurde ausgeschrieben.

Einerseits gibt es Branchen wie der Export, der unter einem enormen Druck steht, anderseits aber auch Bereiche wie die Lebensmittelindustrie, die Logistik oder die IT, die einen enormen Bedarf an Personal haben. «Das sehe ich auch bei uns im Departement», sagt Regierungsrat Guido Graf. «Seit dem Frühling hat sich bei uns in diesem Bereich enorm viel getan. Hätten wir diese Entwicklung in einem Projekt erarbeiten müssen, hätte dies mehrere Jahre gedauert», ist Guido Graf überzeugt. 

 

Junge Personen besonders betroffen

Die 15- bis 24-Jährigen sind wegen Covid-19 mehr von der Arbeitslosigkeit betroffen als andere Altersgruppen. Ende September waren 789 Jugendliche bei der regionalen Arbeitsvermittlung angemeldet (Vorjahr 547). Nicht betroffen sind dabei die Schulabgänger. Karin Lewis, Bereichsleiterin Arbeitsmarkt beim WAS wira, geht davon aus, dass beim Lockdown im Frühjahr bereits viele Jugendliche ihre Lehrstelle in der Tasche hatten. «Man kann davon ausgehen, dass es die Schulabgänger im Hinblick auf den nächsten Sommer etwas schwieriger haben werden», so Lewis. Bereits jetzt mehr betroffen sind die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger. Weniger Betriebe haben ihren Lernenden nach Abschluss der Ausbildung einen Arbeitsvertrag angeboten. «Es war wichtig, dass der Bund bereits im Mai ankündigte, dass Betriebe mit Kurzarbeit ihre Lernenden weiterbeschäftigen können, dies wäre im regulären Verfahren nicht möglich gewesen», erklärt Karin Lewis. «Ansonsten wäre die Zahl von Lehrabgängern ohne Anstellungsverhältnis noch höher.» Ende September waren 200 Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger beim RAV gemeldet. Im Vorjahr waren es 165 gewesen. 

Am stärksten betroffen sind allerdings die jungen Berufsleute mit ein bis zwei Jahren Berufserfahrung. «Sie stehen häufig in befristeten Arbeitsverhältnissen. Diese Arbeitsverhältnisse werden bei schwierigem Geschäftsgang oft als Erstes aufgelöst», erklärt Lewis.

Die Zahlen bei den Jugendlichen seien zwar erhöht, dramatisch beurteilt Karin Lewis dies aber nicht. Dies vor allem aufgrund der Dauer der Arbeitslosigkeit der jungen Arbeitnehmer. Über alle Altersgruppen hinweg ist eine stellensuchende Person im Schnitt 130 Tage arbeitslos, ein Jugendlicher lediglich 50 Tage. «Wir verfügen über eine breite Palette von arbeitsmarktlichen Massnahmen, die rasch verfügbar sind»,erklärte Martin Bucherer, Leiter WAS wira Luzern. «Schnell bedeutet für uns, dass spätestens nach drei Monaten eine Massnahme aufgegleist ist», erklärt er weiter. Denn für eine rasche Wiedereingliederung in die Arbeitswelt sind die ersten Monate entscheidend. Entsprechend findet bereits nach fünf Tagen nach der Anmeldung beim RAV ein erstes Beratungsgespräch statt. 

 

Doppelter Einsatz bei +50

Eine Altersgruppe, die dem WAS wira nicht erst seit Covid-19 Sorgen bereitet, sind die Stellensuchenden über 50 Jahre. Der Bund hatte dazu im Mai 2019 ein Massnahmenpaket beschlossen. Dabei soll die Konkurrenzfähigkeit von älteren Arbeitnehmenden gefördert werden. Der Kanton Luzern hat dazu gleich drei Projekte eingereicht. Diese wurden im August alle lanciert. «Die ersten vier schwervermittelbaren Personen konnten sich letzte Woche wieder beim Arbeitslosenamt abmelden», freut sich die Bereichsleiterin Karin Lewis über den erfolgreichen Start der Programme, bei denen ältere Stellensuchende noch intensiver betreut werden. 

 

9500 Firmen in Kurzarbeit

Aufgrund von Covid-19 hat der Kanton allerdings keine neuen Programme lanciert. Bis Ende August hatten 9500 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Der Spitzenwert liegt schon weiter zurück. Im April musste der Kanton 121 Millionen Franken an Kurzarbeit-Entschädigung auszahlen. «Erfreulicherweise haben wir eine deutliche Abnahme. Im August waren es noch 18 Millionen Franken», so Martin Bucherer, Leiter WAS wira Luzern. «Das bestätigt, dass wir grundsätzlich, mit Ausnahmen einiger Branchen, eine positive Entwicklung haben», so Bucherer. Dies widerspiegelt sich auch bei der Anzahl Stellen, die zu besetzen sind. Jeder Gastrobetrieb, der nach dem Lockdown wieder das Restaurant eröffnete und Personal suchte, musste seine Stellen beim WAS wira anmelden. «Wir hatten im Vergleich zum Vorjahr gar mehr meldepflichtige Stellen.» Weniger Stellen gebe es im kaufmännischen Bereich. Der Departementsvorsteher Guido Graf zeigt sich auch mit der Einführung der Stellenmeldepflicht zufrieden. «Die zentralisierte Organisation hat für die Wirtschaft den Vorteil, dass sie alle offenen Stellen, egal ob meldepflichtig oder nicht, melden können», sagt Guido Graf.

 

Doppelte Betreuung

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat im Frühjahr ein Pilotprojekt zur Optimierung der RAV-Beratung lanciert. Das Projekt hat zum Ziel, zu ermitteln, ob Stellensuchende schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können, wenn sie mit der doppelten Intensität betreut werden. Wegen Covid-19 musste das Projekt kurz nach der Lancierung wieder gestoppt werden. Geplant ist, dass das Pilotprojekt im kommenden Frühjahr wieder aufgenommen wird.

Marcel Habegger