Schärer Linder

19.10.2020

Unterricht vor dem Bildschirm

Die Resultate der Link-Umfrage zeigten, dass der Fernunterricht im Lockdown für Schülerinnen und Schüler gut verlief. Bild: Unsplash

Die Resultate der Link-Umfrage zeigten, dass der Fernunterricht im Lockdown für Schülerinnen und Schüler gut verlief. Bild: Unsplash

Covid-19 hat die Digitalisierung in vielen Bereichen vorangetrieben, so auch in der Bildung mit dem Homeschooling. Eine Umfrage zeigt nun ihre Resultate zum Fernunterricht an Luzerner Schulen.

Während des Lockdowns wurde der Unterricht vom Klassenzimmer nach Hause ins «Distance-Learning» verlegt. Eine grosse Umstellung und Stress für Eltern, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler, hiess es damals von allen Seiten. Nun präsentierte das Bildungsdepartement Luzern an einer Medienkonferenz die Resultate der Umfrage vom Marktforschungsinstitut Link. Insgesamt wurden 15 785 Lernende, 3691 Lehrpersonen, 172 Schulleitungsmitglieder, 2374 Eltern und 1231 Berufsbildende während eines Monats in der Endphase des Fernunterrichts befragt. Die meisten Rückmeldungen kamen von der Volksschulstufe. Die Resultate zeigen, dass gesamthaft knapp 80 Prozent der Befragten mit dem Fernunterricht zufrieden waren. Die Schülerinnen und Schüler aller Schulstufen schätzten dabei vor allem die zeitliche Flexibilität und mehr Freizeit. 

 

Lehrpersonen bewerten kritischer

Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler über alle Schulstufen hinweg erbringen ihrer Ansicht nach die gleiche oder eine bessere schulische Leistung im Fernunterricht als im Präsenzunterricht. Auch die Reaktionen von Eltern sind positiv: «Gefreut hat mich, dass drei Viertel der Eltern mit Kindern in der Volksschule sehr gut oder gut zufrieden waren mit dem Fernunterricht», so Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann.

Lehrpersonen sind bei der Beurteilung der Leistungen ihrer Klassen eher kritischer. Besonders bei der Beurteilung der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer gibt es Auffälligkeiten: Nur 4 Prozent der Lehrpersonen denken, dass die Lernenden zu Hause eine bessere Leistung erbringen. 37 Prozent der Lehrpersonen behaupten sogar, dass sich die Leistung der Schüler im Fernunterricht verschlechtert hat. Jedoch ist die Akzeptanz des Fernunterrichts bei den Schülern deutlich höher als bei den Lehrpersonen. Je tiefer die Schulstufe, desto weniger gerne unterrichten die Lehrpersonen im Fernunterricht. Worin sich die Schülerinnen und Schüler aller Stufen sowie deren Lehrpersonen einig sind, ist das Fehlen der sozialen Kontakte. Dies gaben rund 60 Prozent der Befragten an. 

 

Gemischte Unterrichtsformen

Obwohl die Lehrpersonen ihre Akzeptanz für den Fernunterricht zurückhalten, kann sich ein Drittel der Lehrpersonen auf allen Schulstufen vorstellen, den Fernunterricht zumindest teilweise beizubehalten. Vor allem Dozierende der Hochschule sehen mit 80 Prozent den Fernunterricht einmal wöchentlich als gute Ergänzung im Stundenplan. Eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht kann sich auch die Hälfte aller befragten Eltern sowie ein Grossteil der Lernenden vorstellen. Es sei nicht das Ziel, fixe Fernunterrichtstage festzusetzen, sagt Schwerzmann: «Wir wollen verschiedene Themen wie selbstständiges Arbeiten mit neuen Lernformen, geeignete Onlinetools, die Rolle der Lehrpersonen sowie der teilzeitliche Einsatz von digital unterstütztem Unterricht in den oberen Schulstufen weiterentwickeln.»

 

Zukunft der Digitalisierung

Luzerner Schulen waren bereits vor der Corona-Krise bezüglich der Digitalisierung gut aufgestellt, trotzdem besteht Handlungsbedarf. Nun soll das Projekt «Digitalisierung im Bildungsbereich» von einem Digitalverantwortlichen in der Departementsleitung vorangetrieben werden. «Wir wollen digitale Elemente und die zugehörigen pädagogischen Inhalte künftig im Unterricht einbauen – dort, wo es stufengerecht und auch machbar ist. Aber wir wollen ebenso mit grosser Sorgfalt die sozialen Komponenten der künftigen Schule angehen», so der Bildungsdirektor. Erste Massnahmen sind bereits festgelegt: die Ausrüstung der Lernenden mit den notwendigen Geräten ab der 3. Primarklasse, die Erarbeitung digitaler Lehrmittel, die Verstärkung der Weiterbildung der Lehrpersonen für digitalen Unterricht sowie die Schaffung einer Prüfungsinstanz für digitale Lehrmittel.

Elma Softic