Schärer Linder

12.10.2020

«Das ist unbezahlbar»

Das World Economic Forum kommt nächsten Mai auf den Bürgenstock. Verschiedene Sideevents sollen auch in Luzern stattfinden. Bild: Bürgenstock Hotels AG

Das World Economic Forum kommt nächsten Mai auf den Bürgenstock. Verschiedene Sideevents sollen auch in Luzern stattfinden. Bild: Bürgenstock Hotels AG

Gerade für die Tourismusbranche ist die Zusage für den Bürgenstock mit einem Lotto-6er zu vergleichen. Trotz der grossen Freude ist man sich in der Wirtschaft bewusst: Die Herausforderungen werden in den nächsten Monaten deshalb nicht kleiner.

Für den Ort Davos ergaben sich aufgrund der Durchführung des WEF bereits vor knapp 20 Jahren Umsätze in der Höhe um 20 Millionen Franken. 2017 resultierten in der Schweiz durch das WEF 94 Millionen Schweizer Franken. Die Zahlen beruhen auf Studien der Universität St. Gallen.

2021 wird nun das World Economic Forum aufgrund der Corona-Situation in einem etwas kleineren Rahmen auf dem Bürgenstock stattfinden. Für die hiesige Region, deren Tourismus-Branche gelitten hat, ist dies mit einem Sechser im Lotto zu vergleichen. Der Regierungsrat des Kantons Luzern sieht die Verlegung des WEF in die Zentralschweiz als erfreuliche Chance für die Tourismusdestination Luzern-Bürgenstock-Nidwalden. «Wenn Davos das Etikett Zauberberg trägt – dann ist Luzern die Zauberstadt am Zaubersee in den Zauberbergen», sagt Regierungspräsident Reto Wyss. «Dieser Reputationseffekt ist unbezahlbar, nicht nur für den gehobenen Tourismus, sondern für die gesamte Destination», freut sich auch Regierungspräsident Reto Wyss über die Zusage für den Bürgenstock. 

Die Regierung der Stadt Luzern kann sich aufgrund der von Yannick Gauch und Gianluca Pardini (SP) eingereichten Interpellation «WEF auf dem Bürgenstock – Chancen und Risiken für die Stadt Luzern?» zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht über die Chance des WEF in der Region äussern. Sie wird dies im Rahmen der Beantwortung der Interpellation tun. Es fand im Hinblick auf die Durchführung des World Economic Forum 2021 auf dem Bürgenstock zwischen dem Stadtpräsidenten Luzerns und dem WEF jedoch bereits ein erstes, informelles Orientierungsgespräch statt. Gemäss Simon Rimle, Leiter Kommunikation der Stadt Luzern, sind weitere Gespräche und Verhandlungen im Gang. «Die Stadt begrüsst den vom Kanton angekündigten Aufbau einer Projektorganisation zur behördenseitigen Planung des WEF», sagt Rimle.

 

«Es ist ein Ritterschlag»

«Für uns ist es eine einmalige Chance, sich weltweit als ideale Kongress- und Veranstaltungsdestination zu präsentieren», freut sich Tourismusdirektor Marcel Perren. «Vom Wertschöpfungseffekt werden viele Leistungspartner profitieren können, auch wenn wir den genauen Effekt noch nicht beziffern können», sagt Marcel Perren. Von einem «Ritterschlag für die gesamte Zentralschweiz», spricht der Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, Adrian Derungs. «Das spricht für die leistungsfähigen Infrastrukturen, politische Stabilität, dienstleistungsorientierte Behörden und eine leistungsfähige Wirtschaft in der Zentralschweiz.» Derungs ist davon überzeugt, dass das WEF gerade bei Hotels, der Eventbranche, den Restaurants und den Bergbahnen einiges bewirken wird. «Luzern ist bereits heute eine bekannte internationale Tourismusmarke», sagt Tourismusdirektor Marcel Perren zu den Chancen, die der Event für die Region eröffnet. Er ist aber davon überzeugt, dass das Forum den Wert nochmals steigern kann: «Die weltweite Ausstrahlung des World Economic Forum wird aber bestimmt auch zu einer Stärkung der Marke Luzern führen. Zudem werden die zahlreichen Medienberichte aus der Region auch neue Gäste zu einem Aufenthalt bei uns inspirieren.» Angst, dass der Event dann plötzlich doch nicht durchgeführt werden könnte, hat er im Moment nicht. «Ein Restrisiko besteht bei allen Anlässen. Es haben aber bereits mehrere Veranstalter gezeigt, dass auch grössere Anlässe mit adäquaten Sicherheitsmassnahmen gut durchgeführt werden können. Ich bin zuversichtlich, dass das WEF im kommenden Mai in unserer Tourismusregion durchgeführt werden kann.»

 

Gäste werden trotzdem fehlen

Auch wenn man sich über die Zusage in der Innerschweiz freut, wettmachen kann es die aktuell schwierige Situation trotzdem nicht. Dies sieht auch Marcel Perren so: «Das WEF ist ein Highlight für uns, wird aber an der schwierigen Ausgangslage der Stadthotellerie im 2021 wenig ändern. Aufgrund der Reisebeschränkungen werden uns voraussichtlich auch im kommenden Jahr die internationalen Gäste in Luzern fehlen.» Bemüht, positive Stimmung zu versprühen, ist Adrian Derungs: «Eine positive Haltung und ein gelungenes WEF tragen dazu bei, dass wir die Herausforderungen der kommenden Monate gemeinsam meistern.»

 

Kritischer Blick der SP

Längst nicht alle blicken dem World Economic Forum so positiv entgegen. «Lässt man die anfängliche Euphorie des Regierungsrats etwas setzen, kann man durchaus zu einer etwas kritischeren Betrachtung dieses Anlasses kommen», schreibt die SP Kanton Luzern in einer Mitteilung. «Die Regierung hat auf der einen Seite verschiedene einschränkende Massnahmen für die lokale Bevölkerung beschlossen und auf der anderen Seite soll nun einer zum Teil in der Öffentlichkeit sehr umstrittenen Elite der Hof gemacht werden», schreibt die SP weiter. «Inwiefern macht es aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie und steigender Fallzahlen, welche eine zweite Welle immer wahrscheinlicher erscheinen lassen, Sinn, dass Menschen aus der ganzen Welt nach Luzern an das WEF anreisen? Entspricht es tatsächlich dem Interesse der Luzerner Bevölkerung, dass dieser Anlass im Raum Luzern durchgeführt werden soll?», stellt Kantonsrat Hasan Candan die Durchführung in Frage. Die SP fürchtet auch die Sicherheitskosten und stellt in Frage, ob diese Gelder in der aktuellen Lage nicht besser in anderen Bereiche investiert würden.

Anders sieht dies die SVP. «Während mehrerer Tage werden die Kameras aus aller Welt auf unsere Region gerichtet sein. Eine solche Werbung ist unbezahlbar», sagt Dieter Haller, Präsident SVP Stadt Luzern und Kantonsrat. «Deshalb ist für uns klar, dass unbewilligte Demonstrationen zwingend unterbunden werden müssen, es dürfen keine Bilder von Chaoten in der Stadt Luzern um die Welt gehen», so Haller weiter.

 

Kostenbeteiligung noch offen

Der Regierungsrat wird eine Projektorganisation mit kantonalen und städtischen Behördenvertretern, Tourismus- und Wirtschaftsleuten einsetzen und die behördenseitige Planung in Zusammenarbeit mit dem Kanton Nidwalden, dem Bürgenstock-Resort und dem WEF zügig an die Hand nehmen. Dabei werden Fragen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie der Corona-Prävention eine wichtige Rolle spielen. Weiter wird sich klären, in welchem Umfang sich der Kanton an den Kosten beteiligen wird.

Marcel Habegger/PD