Schärer Linder

05.10.2020

Wünsche werden platziert

Die Grünen fordern, dass mindestens ein Drittel der Gleisflächen zu einem Stadtpark umfunktioniert werden. Marco Müller (Grüne) könnte sich einen Stadtpark wie in Berlin Steglitz vorstellen. Bild: PD

Die Grünen fordern, dass mindestens ein Drittel der Gleisflächen zu einem Stadtpark umfunktioniert werden. Marco Müller (Grüne) könnte sich einen Stadtpark wie in Berlin Steglitz vorstellen. Bild: PD

Während die SVP fürchtet, dass beim Durchgangsbahnhof nicht mehr genügend Parkplätze vorhanden sein könnten, träumen die Grünen von einem Stadtpark über dem Bahnhof.

Wird es noch einen Bahnhofplatz geben, wie es ihn heute gibt und wird der Haupteingang noch an derselben Stelle sein wie bisher? Wie der Luzerner Bahnhof und dessen Umgebung in 20 Jahren aussehen wird, steht aktuell noch in den Sternen. Bis Ende 2020 führt die Stadt Luzern eine Testplanung zum Durchgangsbahnhof durch. Diese soll ein erstes Mal aufzeigen, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln könnte. In der Testplanung wird unter anderem erarbeitet, über welche Nutzungen und Funktionen der neue Bahnhof verfügen soll. Für die Testplanung wurden von der Stadt drei Teams gebildet. Erste Ergebnisse sollen im Frühjahr 2021 präsentiert werden. 
SVP fordert neues Parkhaus
Neben der Gestaltung des Bahnhofs selbst stellt sich auch die Frage, was aus den sechs Hektaren Gleisfläche wird, die beim Durchgangsbahnhof nicht mehr benötigt werden. In der frühen Phase geht es für die Parteien bereits darum, ihre Forderungen zu platzieren. Die SVP fürchtet in Zukunft beispielsweise einen Engpass bei den Parkplätzen. Mit dem Durchgangsbahnhof sollen von den 900 Parkplätzen über 370 wegfallen. Betroffen sind vor allem die Parkplätze des Bahnhofparkings P1. «Weil die maximale Parkiermöglichkeit auf den öffentlichen Parkplätzen zudem stark reduziert werden soll und sich bei diesen Parkplätzen ein Abbau abzeichnet, droht die Attraktivität der Innenstadt zu leiden», befürchtet Grossstadtrat Patrick Zibung. Er und sein Ratskollege Thomas Gfeller fordern nun in einer Motion den Stadtrat auf, sich für den Ersatz der über 300 wegfallenden Parkplätze beim Parkhaus P1 einzusetzen. «Durch den Durchgangsbahnhof wird der Nutzungsdruck auf die anderen verbleibenden Parkplätze rund um den Bahnhof noch steigen», ist Zibung überzeugt. Es sei nicht so, dass es in der Stadt zu jeder Zeit genügend Parkplätze gebe, wie dies die Stadt in ihrem Konzept Autoparkierung betone. Die SVP-Politiker fordern deshalb eine Ergänzung des Angebots. «Auf der frei werdenden Fläche könnte ohne grosse städtebauliche Eingriffe ein Parkhaus realisiert werden», so Zibung weiter.

Ein Drittel für einen Stadtpark


Etwas anders sieht dies Marco Müller der Grünen. Für ihn müsste beispielsweise auch das Thema bezahlbarer Wohnraum stärker gewichtet werden als ein neues Parkhaus. «Aus unserer Sicht muss man nicht mit dem Auto zum Bahnhof anreisen, deshalb stehen wir einem neuen Parkhaus sehr kritisch gegenüber», sagt der Grossstadtrat. Er hofft auf mehr Grünfläche. «Für eine hohe Lebensqualität der Menschen, die sich in der Gegend Neustadt, Bundesplatz und Bahnhof aufhalten, dort arbeiten oder wohnen sowie für ein gutes Stadtklima wird es wichtig sein, dass auf dem frei werdenden Gleisareal nicht alles überbaut wird», sagt er. «Grünzonen mit einer hohen Aufenthaltsqualität erfreuen sich, vor allem in der Innenstadt, einer hohen Beliebtheit. Darum soll auf einem grösseren Teil des aktuellen Gleisareals ein öffentlich zugänglicher Volkspark realisiert werden, welcher der Bevölkerung als Erholungsgebiet dient», erklärt Müller weiter. Die Grünen fordern den Stadtrat in einer Motion auf, bei einer späteren Einzonung mindestens einen Drittel der umgerechnet rund acht Fussballfelder grossen Fläche für einen Stadtpark einzuplanen.
Ab April ist eine öffentliche Diskussion der Testplanung geplant. Im Frühling 2022 soll das Entwicklungskonzept im Grossen Stadtrat beraten werden.


Marcel Habegger