Schärer Linder

14.09.2020

«Es ist ein Abenteuer»

Patrizia Püntener aus Ebikon sicherte sich an den ersten Schweizer Meisterschaften Hike & Fly mit einer Frauenkategorie den Titel.Bilder: Archiv/PD
Die 26-Jährige fliegt seit 2016 Gleitschirm.

Patrizia Püntener aus Ebikon sicherte sich an den ersten Schweizer Meisterschaften Hike & Fly mit einer Frauenkategorie den Titel.Bilder: Archiv/PD

Patrizia Püntener aus Ebikon sicherte sich an den ersten Schweizer Meisterschaften Hike & Fly mit einer Frauenkategorie den Titel.Bilder: Archiv/PD
Die 26-Jährige fliegt seit 2016 Gleitschirm.

Die 26-Jährige fliegt seit 2016 Gleitschirm.

Anfang September wurde bei den Männern zum zweiten Mal ein Hike & Fly-Schweizer-Meister gekürt. Erstmals gingen auch Frauen an den Start. Patrizia Püntener aus Ebikon war die Schnellste.

Neben dem ganz grossen Namen, dem Berner Oberländer Christian Maurer, der die X-Alps bereits sechsmal gewonnen hat, rannte und flog Patrizia Püntener letzte Woche zum Hike & Fly-Schweizer-Meister-Titel. Vor dem dreitägigen Wettkampf, der in Oberiberg SZ gestartet wurde, hatte die 26-Jährige nicht wirklich den Schweizer-Meister-Titel im Fokus. «Hike & Fly ist ein Abenteuer. Man muss sich orientieren können, die richtige Taktik wählen und den schnellsten Weg finden. Zudem ist man die meiste Zeit alleine unterwegs», erklärt Patrizia Püntener, fasziniert von diesem Wettkampf.
 

Bei Hike & Fly haben die Pilotinnen und Piloten mehrere vorgegebene Punkte zu passieren. Ob sie dies zu Fuss oder in der Luft tun, bleibt ihnen überlassen. Die Hitze, die stabile Luftschichtung, welche nur mässige Thermik hervorbrachte, und die langen Wettkampftage verlangten von den Teilnehmenden einiges ab.
Wegen der schwierigen Bedingungen entschied sich Patrizia Püntener, nicht zuletzt wegen ihrer starken physischen Verfassung, einen Grossteil der Strecke zu Fuss zurückzulegen. «Wenn die Thermik sehr schwach ist und man mehr oder weniger nur dem Berg entlang runterfliegen kann, ist es möglich, dass man je nach Starthöhe sogar schneller ist, wenn man runter läuft», erklärt sie. Mit starkem Wind hatten die Athletinnen und Athleten am zweiten Tag zu kämpfen. Bei Windstärken von bis zu 30 km/h galt es, eine Strecke von rund 57 Kilometern Luftlinie entlang definierter Punkte zurückzulegen. Mit Rückenwind erreichten die Pilotinnen und Piloten Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.

Kopieren macht keinen Sinn


Gilt es an der Startlinie also einfach mal zu schauen, welche Strategie die grossen Namen im Teilnehmerfeld wählen? «Zur Inspiration kann dies helfen, kopieren macht allerdings nicht viel Sinn, denn alle Pilotinnen und Piloten haben unterschiedliche Voraussetzungen. Einerseits sind die Ausrüstungen unterschiedlich und anderseits haben alle andere fliegerische und konditionelle Grenzen», erklärt Patrizia Püntener. Denn zu den Vielfliegerinnen zählt sich Püntener nicht. Gerade im Streckenfliegen fehlt es ihr an der nötigen Routine, um die vorhandenen Bedingungen besser ausnützen zu können.

Ein dreitägiger Hike & Fly-Wettkampf zu bestreiten, erfordert einiges mehr als ein normaler Flug von einem Berg hinunter ins Tal. Noch einmal etwas ganz anderes sind die X-Alps, bei denen jeweils über 1000 Kilometer im Zickzack quer durch die Alpen von Salzburg nach Monaco zurücklegt werden. Patrizia Püntener würde es durchaus reizen, bei diesem extremen Wettkampf einmal dabei zu sein. Dazu müsste sie jedoch das Training von Streckenflügen intensivieren. «Bei einer Strecke von 1000 Kilometern ist es vor allem auch aus zeitlichen Gründen zentral, weite Strecken fliegen zu können. Da jede Pilotin und jeder Pilot täglich mehrere tausend Höhenmeter zu Fuss absolviert, ist konditionelle Stärke eher eine Grundvoraussetzung. Die Entscheidung fällt im Fliegen», sagt sie. «Im Moment fehlt es mir jedoch an der Zeit, mich richtig auf ein solch hartes Rennen vorbereiten zu können», sagt die Studentin, die auch Fallschirm springt. 

Das nächste X-Alps geht ab dem 20. Juni über die Bühne. Dem sechsfachen Sieger Christian Maurer reichte es übrigens an den Schweizer Meisterschaften lediglich zu Platz zwei. Den Sieg sicherte sich das 22-jährige Jungtalent aus dem Berner Oberland Hannes Kämpf. 


Marcel Habegger