Schärer Linder

14.09.2020

«Förderung würde sich lohnen»

Romana Lanfranconi hofft auf mehr Gehör in der Politik für Filmschaffende. Bild: PD

Romana Lanfranconi hofft auf mehr Gehör in der Politik für Filmschaffende. Bild: PD

Am Samstag findet das Filmfestival «Upcoming Film Makers» statt. Regisseurin und Jurymitglied Romana Lanfranconi verrät, was ein guter Film für sie ausmacht und wie es um die Filmförderung in Luzern steht.

Romana Lanfranconi, mit welchen Erwartungen blicken Sie dem Festival entgegen?
Ich freue mich total darauf. Am «Upcoming Film Makers» habe ich selbst als junge Studentin einen meiner ersten Filme gezeigt. Filme an einem Festival zu präsentieren, ist ein sehr schönes Erlebnis. Man erhält ein direktes Feedback vom Publikum und erlebt die Emotionen der Leute. Das ist die schönste Bestätigung, die man als Filmschaffende erhalten kann. Dem Festival am Samstag blicke ich ohne Erwartungen, aber mit viel Neugierde entgegen. 

Sie werden in der Jury sitzen. Was macht einen guten Film für Sie aus? 
Von einem guten Film erwarte ich viel Kreativität und Eigenständigkeit. Ich freue mich, wenn ich Werke von jungen Filmschaffenden sehe, die eigene Welten skizzieren und etwas Neues und Spezielles wagen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Film dokumentarisch oder fiktional ist – ich mag ihn, wenn er mutig ist und eine gute Geschichte erzählt.

Welchen Mehrwert bieten solche Festivals den Filmschaffenden selbst?
Die Festivals bieten eine Plattform, die Filme einem grösseren Publikum zu präsentieren. Das ist gerade bei Kurzfilmen sehr wichtig. Das Feedback, das man dort erhält, bestärkt einen im weiteren Schaffen. Wer seinen Film an Festivals zeigen kann, hat zudem auch bessere Chancen auf Fördergelder für weitere Produktionen.

Wie sieht die Situation bezüglich Fördergelder in der Zentralschweiz aus? 
Die regionale Förderung in der Zentralschweiz ist im Vergleich zu anderen Kantonen sehr schlecht. Ein kleines Zahlenbeispiel: In den sechs Innerschweizer Kantonen werden jährlich insgesamt rund 700000 Franken für die Filmförderung gesprochen. In Bern oder Basel – die als Filmregionen vergleichbar mit der Zentralschweiz sind – steht den Filmschaffenden mit je rund drei Millionen mehr als das Dreifache zur Verfügung. Dies macht es schwierig, in Luzern Filme zu finanzieren. Bis zu 90 Prozent der Filmschaffenden, die an der Hochschule Luzern Film studieren, gehen wohl auch deshalb nach ihrem Abschluss weg aus der Zentralschweiz. Es ist sehr bedauerlich, dass wir diese gut ausgebildeten Leute verlieren.

Sie haben Ihre eigene Filmproduktionsfirma Voltafilm in Luzern gegründet. Wieso haben Sie sich zum Bleiben entschieden?
Ich habe in Zürich studiert und bin dann nach Luzern gekommen – eigentlich völlig verkehrt (lacht). Ich habe mich dazu entschieden, weil mein Herz und meine Wurzeln in Luzern liegen. Zudem mag ich die kleine und überschaubare Kulturszene hier.

Aber mit Fördergeldern ist es also auch für Sie nicht einfach?
Da meine Mitinhaber und ich wussten, dass es in der Zentralschweiz mit Fördergeldern schwierig ist, haben wir von Anfang an auch Auftragsproduktionen realisiert und nach alternativen Finanzierungen gesucht. Heute können wir mehrheitlich Dokumentarfilme fürs Fernsehen und eigene Kinoproduktionen realisieren. 

Was müsste sich ändern, damit mehr Studienabgänger es Ihrem Beispiel gleichtun und in Luzern bleiben würden?
Es ist wohl in den Köpfen der Studierenden verankert, dass Luzern ein schwieriges Pflaster für Filmschaffende ist. Um dies zu ändern, müsste einerseits auf politischer Ebene etwas passieren. Die Politikerinnen sollten sehen, dass sich die Filmförderung für die Zentralschweiz lohnt: 2019 gab es eine Studie, die zeigt, dass für einen investierten Franken drei Franken in die Region zurückfliessen. Dieses wirtschaftliche Argument muss in der politischen Diskussion mehr Gehör erhalten. Andererseits wäre es sicherlich hilfreich, wenn die Studierenden in ihrer Ausbildung besser über die Filmförderung aufgeklärt würden. Für viele ist es nach dem Abschluss eine extrem grosse Hürde, eine Eingabe für Fördergelder zu machen, da sie gar nicht wissen, wie dieses Prozedere funktioniert und wie ein entsprechendes Dossier auszusehen hat.

Sie bieten neben Ihren Tätigkeiten Filmworkshops für Sekundarklassen an – ist es Ihnen ein besonderes Anliegen, dass die Filmszene Nachwuchs erhält?
Grundsätzlich ist es immer schön, etwas weiterzugeben, das einem am Herzen liegt. Ich arbeite sehr gern mit jungen Leuten. Mir ist es ein grosses Anliegen, dass dieses junge Publikum, das in Form von Filmen, Serien und Games viel Bewegtbild konsumiert, auch weiss, wie dieses entsteht. Wenn ich bei meinen Tätigkeiten junge Leute gleichzeitig wieder fürs Kino begeistern kann, freue ich mich natürlich umso mehr.

Welche eigenen Filmprojekte stehen aktuell bei Ihnen an?
Momentan bin ich am Abschliessen eines Fernsehfilms, der Ende Jahr oder Anfang 2021 auf SRF ausgestrahlt wird. Der Film erzählt die Geschichte von drei Menschen, die Geschwister mit Beeinträchtigungen haben. Zusätzlich bin ich an der Recherche zum Thema Einsamkeit im Alter. Corona hat mich etwas ausgebremst, da ich lange niemanden treffen konnte. Aber gerade deshalb ist es aktuell umso wichtiger, über dieses Thema zu sprechen. Und dann stehe ich als Produzentin noch kurz vor der ersten Drehetappe unseres ersten Spielfilms, den wir mit einem Zürcher Regisseur realisieren – und der vor allem von Zürcher Fördergeldern unterstützt wird (lacht). Ich bin aber sehr glücklich, dass wir auch Gelder aus der Zentralschweiz erhalten haben. 
Anna Meyer