Schärer Linder

03.03.2020

Automobile Lust

Ein Ford? Das gelungene Design nimmt Anleihen bei grossen SUVs einer Stuttgarter Premiummarke. Bild: Andréas Härry

Ein Ford? Das gelungene Design nimmt Anleihen bei grossen SUVs einer Stuttgarter Premiummarke. Bild: Andréas Härry

In dichtem Konkurrenzumfeld behauptet sich der neue Ford Puma durch seinen Auftritt und Technik, die in dieser Klasse noch unüblich ist.

Hervorstechen aus gezählten zwei Dutzend Markbegleitern, das ist die Aufgabe des neuen Ford. Keine Autokategorie hat zuletzt so viel Zulauf bekommen wie das superkompakte SUV. Auch Ford ist bereits präsent mit dem biederen Ecosport. Ganz anders der neue Puma: Er soll, bei aller Seriosität der Machart, automobile Lust versprühen, was vorab karosserieseitig gelingt. Genau so würde Porsche einen Wagen dieser Klasse zeichnen. Bullige Front, gestreckte Dachlinie, keckes Heck, sehr gelungen. Was selten der Fall ist bei schnittigen Karosserien, realisiert Ford: Trotz nur 420 cm Aussenlänge überlebt auf den Rücksitzen auch ein Erwachsener mehr als zehn Kilometer. Vorne sitzt es sich eh hervorragend auf den sportiven Sitzen der ST-Ausstattung.

Mit Fussschwenk


Die Besatzung fühlt sich angenehm tief im Auto integriert, auch hier eher sportiv als SUV-mässig. Der Blick geht über das optionale, volldigitale Cockpit, das aktuell schönste der Klasse zusammen mit dem Peugeot 2008. Wo der Puma die Konkurrenz einpackt, ist beim möglichen Ausstattungsumfang. Sei es bei der Komfort- oder Sicherheitsassistenz, alles, was in der unteren Mittelklasse vor kurzem angekommen ist, gibt es nun erstmals auch beim superkompakten Ford, inklusive der Hecktür, die mit Fussschwenk aufgeht. Sehr analog ein weiteres Feature: ein Stöpsel in einer Mulde mit 80 Liter Fassungsvermögen unter der Kofferraumabdeckung. Da kann man nasse, «gruusige» Ladung reinstellen, zu Hause den Stöpsel ziehen und mit dem Schlauch das Ganze ausspülen. Das Wasser entschwindet durch die besagte Öffnung. Clever, gab es nicht mehr seit den Siebzigerjahren! Allerneuste Technologie arbeitet unter der Motorhaube. Der 1-Liter-Dreizylinder der Marke wurde zum Mild-Hybrid. Ein 48-Volt-Bordsystem, eine grössere Batterie und ein kleiner Elektromotor interagieren mit dem 125-PS-Verbrenner des Testwagens. Der Effekt ist spürbar: Gibt man bei Konkurrenten dieser Hubraum- und Leistungsklasse unter 2000 Touren Vollgas, passiert zuerst gar nichts. Tief versunken im Turboloch muss sich der Motor zuerst sammeln. Nicht im Puma. Sofort setzt Beschleunigung ein, der E-Motor überbrückt den Druckaufbau im Turbolader.

Lässig knurren


Die wichtigere Eigenschaft der Technologie ist die mögliche Benzinersparnis von knapp 10 Prozent gegenüber dem Modell mit 12-Volt-Bordnetz. Von all der Herrlichkeit spürt man beim Fahren nichts, ausser der leichten Verzögerung beim Rollenlassen, wenn die Batterie rekuperiert. Getreu dem Lustprinzip des Autos darf der Dreizylinder, ganz Puma, lässig knurren und weiter oben im Drehzahlband fauchen. Nie störend, aber immer präsent. Sehr gelungen ist das Fahrverhalten. Dank der gegenüber dem Fiesta – auf dem er basiert - vergrösserten Spurweite wurde die zusätzliche SUV-Höhe kompensiert. Die Ford-Raubkatze geht ums Eck wie kaum ein Konkurrent. Aufgabe gelungen, der Puma sticht hervor in seiner Klasse. Mit vernünftiger Technologie, aber auch mit Eigenschaften, die einfach Spass machen.

Andréas Härry