Mobilität
06.06.2022

Die Art der Visualisierung ist entscheidend

Windräder erhalten mehr Zustimmung, wenn die Bevölkerung Visualisierungen mit einem Windrad sehen, als wenn sie lediglich die Landschaft zu sehen bekommen. Dies haben Lena Maria Schaffer der Uni Luzern und Resul Umit aus Norwegen herausgefunden.

Herr und Frau Schweizer stehen der Windenergie kritischer gegenüber, wenn sie ein Landschaftsbild ohne Windrad sehen, als wenn sie dasselbe Bild mit einem Windrad betrachten. Dies haben Lena Maria Schaffer der Universität Luzern und Resul Umit der Universität Oslo in einer Studie herausgefunden. «Wir hatten dieses Resultat erwartet, allerdings nicht so deutlich», erklärt Schaffer. «Viele Menschen sehen die Windkraft oft als eine Verschandelung der Landschaft. Sobald die Windräder dann da sind, finden es die Leute dann doch ganz in Ordnung», erklärt sie.

Diese These stützt auch Simon Schärer, Mediensprecher der CKW. «Wir stellen immer wieder fest, dass dort, wo es bereits Windräder gibt, die Akzeptanz deutlich höher ist», meint Schärer. «Dies sieht man beispielsweise im Entlebuch, wo es mehrere Windräder gibt und viele stolz auf die Pionierrolle ihrer Region sind.»

Auch bezüglich Visualisierung haben die CKW ähnliche Erfahrungen gemacht. «Wir haben bereits von Anfang an mit Visualisierungen unserer Projekte gearbeitet. Somit kann sich jeder ein Bild von den Dimensionen der Anlagen machen und sieht, dass sich diese gut in die Landschaft einfügen», so Schärer.

Trotzdem spüren die CKW noch Gegenwehr bei der Windkraft. Gemäss Schärer liegt dies oft an falschen Behauptungen zur Windkraft, die in Umlauf sind und für Verunsicherung sorgen. «Wir legen deshalb viel Wert auf gute Information vor Ort und einen laufenden Einbezug der Bevölkerung. So planen wir beispielsweise im Herbst Infoveranstaltungen in den Standortgemeinden.»

Von den CKW befindet sich der Windpark Lindenberg seit 14 Jahren im Projektierungs- und Bewilligungsverfahren. 2023 wird voraussichtlich die Abstimmung in der Gemeindeversammlung Beinwil stattfinden. Bei fünf weiteren Projekten wurde 2021 mit der Projektierung gestartet.

Für die CKW ist das grösste Argument für die Windkraftwerke, dass sie etwa zwei Drittel des Stroms im Winterhalbjahr produzieren – dann, wenn Strom besonders dringend benötigt wird. Sie ergänzen somit andere nachhaltige Produktionsformen wie Wasserkraft und Solarenergie bestens.

Örtlichkeit spielt keine grosse Rolle

Über 4100 Personen haben schweizweit an der Studie teilgenommen. Neben der unterschiedlichen Visualisierung wurden einigen Befragten auch Informationen zum Standort gegeben: Den einen wurde die Information gegeben, das Windrad würde in ihrem eigenen Kanton aufgestellt, anderen, dass es in einem entfernten Kanton geplant sei. Erstaunlicherweise war das Resultat kaum zu unterscheiden. Das Bild mit dem Windrad erhielt im eigenen Kanton nicht merklich weniger Zuspruch.

Auch eine grössere Opposition gegen Windräder hätte Lena Maria Schaffer aus ländlichen Regionen erwartet. «Da gibt es Argumente, dass die Landbevölkerung gegen die Windkraft ist, weil sie das Gefühl hat, dass es mit der Windenergie auf ihrem ländlichen Boden gilt, den städtischen Stromhunger zu stillen. Es sind aber gar keine Unterschiede zwischen Land- und Stadtbevölkerung festzustellen.»

Die Landschaft war für alle dieselbe. Der Bündner hat also dasselbe Bild wie die Walliserin oder die Luzernerin erhalten. Auch die politische Unterstützung hatte keinen Einfluss auf das Ergebnis. «Diejenigen Befragten, denen wir beispielsweise gesagt haben, die SP würde solche Vorschläge zum Windkraftausbau unterstützen, haben nicht anders abgestimmt, als jene, die keine solche Information hatten», erklärt Schaffer. Die Befragung wurde vor den Nationalratswahlen 2019 durchgeführt. Gut möglich, dass inzwischen, da die Debatte um die erneuerbaren Energien eher verstärkt wurde, dieses Resultat inzwischen anders aussehen würde.

Marcel Habegger