01.11.2021

Frisches Kapital für neue Ideen

Das SUV-Coupé ist der erste Volvo mit ausschliesslich batterieelektrischem Antrieb. Bilder PD
Ein Blick ins Cockpit.
Das Heck ist eine der Neuheiten beim C40.

Das SUV-Coupé ist der erste Volvo mit ausschliesslich batterieelektrischem Antrieb. Bilder PD

Das SUV-Coupé ist der erste Volvo mit ausschliesslich batterieelektrischem Antrieb. Bilder PD
Ein Blick ins Cockpit.
Das Heck ist eine der Neuheiten beim C40.

Ein Blick ins Cockpit.

Das SUV-Coupé ist der erste Volvo mit ausschliesslich batterieelektrischem Antrieb. Bilder PD
Ein Blick ins Cockpit.
Das Heck ist eine der Neuheiten beim C40.

Das Heck ist eine der Neuheiten beim C40.

Ein Börsengang bringt einem Unternehmen in erster Linie frisches Kapital. Und das braucht Volvo, um bei der Elektrifizierung mit der Konkurrenz Schritt halten zu können.

Dieser Tage präsentiert Volvo den neuen C40 Recharge der internationalen Presse, die sich bei ersten Probefahrten vom neuen Modell überzeugen kann. Zwar ist der C40 das erste Modell der Marke, welches ausschliesslich mit batterieelektrischem Antrieb zu haben ist. Doch: Viel Neues gibt es für die Journalisten dennoch nicht zu entdecken.

Auffällig neu ist zwar das Heck des elektrischen SUV-Coupés. Zudem prangt an der Front eine neue Verkleidung, die fast gänzlich ohne Lufteinlässe auskommt, und die Grafik der Matrix-LED-Scheinwerfer wurde leicht aufgefrischt. Ansonsten wurden aber im Vergleich zum XC40 Recharge, der bereits eine Weile auf dem Markt ist, nur Details verändert. So gibt es keine Lederausstattung, stattdessen gibt es hauptsächlich Textilien aus Recyclingplastik – auch das ist schon für den XC40 Recharge zu haben, der auf den identischen Antrieb mit zwei E-Motoren und maximal 408 PS Systemleistung vertraut. Die Reichweite gibt Volvo mit 444 Kilometern an – ein Hauch mehr, als beim XC40 mit steilerem Heck. 

 

Modelle brauchen eigene Plattform

Auch wenn Volvo damit nun zwei Modelle mit rein elektrischem Antrieb im Angebot hat: Es besteht Handlungsbedarf. Zwar hat Volvo schon früh begonnen, die Modellpalette mit Plug-in-Hybrid-Antrieben zu elektrifizieren. Doch mit reinen E-Autos hat man bei Volvo lange gewartet. Und vor allem: Die beiden Stromer, die nun im Angebot stehen, bauen auf der bestehenden Fahrzeugarchitektur für Verbrennungsmotoren auf und wurden gewissermassen umfunktioniert. Für den Moment ist das noch kein grosses Problem; wie die Modelle C40 und XC40 Recharge zeigen, lassen sich auf diesem Weg derzeit noch durchaus konkurrenzfähige E-Autos konstruieren. Doch für die Zukunft braucht Volvo, was bei vielen anderen Herstellern bereits auf der Strasse ist: eine eigens für E-Antriebe konstruierte Fahrzeugplattform. Nur damit ist es möglich, die Vorteile eines E-Autos beim Raumangebot voll zu nutzen – und beim Design genügend Freiheit zu haben, um das Auto möglichst aerodynamisch zu gestalten. Eine wichtige Grundvoraussetzung für eine möglichst hohe Reichweite. Vor allem aber ermöglicht eine gut geplante, in der Grösse skalierbare Plattform den Aufbau einer breiten Fahrzeugauswahl innert verhältnismässig kurzer Zeit. Denn: Bis 2030 will Volvo komplett auf E-Antriebe umstellen.

 

Entwicklung ist teuer

Gerade für einen vergleichsweise kleinen Hersteller wie Volvo ist die Entwicklung einer solchen Fahrzeugplattform ein riesiges Projekt, das mit enormen Kosten verbunden ist. Der Börsengang von letzter Woche ist für Volvo also entscheidend, um die Weichen in Richtung Zukunft stellen zu können. Alleine aus den Erträgen der laufenden Fahrzeugverkäufe wären die Entwicklungskosten kaum zu decken. Auch mit dem finanzstarken Geely-Konzern im Rücken nicht, der Volvo 2010 für 1,8 Milliarden US-Dollar von Ford übernommen hat – und bei dem Volvo auch weiterhin Mehrheitseigner bleibt. Von den insgesamt gut 20 Milliarden US-Dollar, welche Volvo laut Börsenkapitalisierung wert ist, werden lediglich zirka 10 Prozent an Aktien verkauft. Das gibt den Schweden rund 2 Milliarden an frischem Kapital, was für die Entwicklung einer neuen Plattform reicht. 

 

Tesla machte es ähnlich

Dieses Vorgehen erinnert zum Beispiel an Tesla. Auch hier wurde über einen Börsengang – sowie auch über Anzahlungen von künftigen Kunden – Kapital gewonnen, um Entwicklung und Produktion neuer Modelle zu finanzieren. Inzwischen produzieren die Kalifornier mit dem Model 3 eines der meistverkauften Autos in Europa. Zudem knackte die Aktie nach einem Grossauftrag des Autovermieters Hertz die 1000-Dollar-Marke, womit der E-Auto-Hersteller an der Börse mehr als 1 Billion Dollar wert ist und weiterhin der deutlich wertvollste Autohersteller an der Börse bleibt.

Philipp Aeberli