27.10.2021

Ein grosser Schritt

Mit einer Reichweite von 631 Kilometern gemäss WLTP sind auch längere Reisen mit dem iX xDrive 50 problemlos möglich. Bilder: PD
Beim Display braucht es einige Eingewöhnungszeit.
Die grosse Niere an der Front soll Dellen und Kratzer selbstständig reparieren.

Mit einer Reichweite von 631 Kilometern gemäss WLTP sind auch längere Reisen mit dem iX xDrive 50 problemlos möglich. Bilder: PD

Mit einer Reichweite von 631 Kilometern gemäss WLTP sind auch längere Reisen mit dem iX xDrive 50 problemlos möglich. Bilder: PD
Beim Display braucht es einige Eingewöhnungszeit.
Die grosse Niere an der Front soll Dellen und Kratzer selbstständig reparieren.

Beim Display braucht es einige Eingewöhnungszeit.

Mit einer Reichweite von 631 Kilometern gemäss WLTP sind auch längere Reisen mit dem iX xDrive 50 problemlos möglich. Bilder: PD
Beim Display braucht es einige Eingewöhnungszeit.
Die grosse Niere an der Front soll Dellen und Kratzer selbstständig reparieren.

Die grosse Niere an der Front soll Dellen und Kratzer selbstständig reparieren.

Mit dem iX setzt BMW endlich fort, was im Jahr 2013 mit dem i3 begann – allerdings am anderen Ende der Grössenskala. Futuristisch ist das Cockpit angelegt, Druckknöpfe gibt es fast keine mehr, dafür kann der Drehdruckknopf in Kristallglas bestellt werden.

Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann und wie: Die E-Mobilität nimmt zunehmend Fahrt auf, und fast alle Hersteller bauen ihr Angebot an Stromern rapide aus. Mit dem i3 war BMW 2013 der Zeit voraus – die Bayern hatten ein rein elektrisches Modell auf einer eigens dafür konstruierten Architektur im Angebot, bevor das nötig war, um immer strenger werdende CO2-Vorschriften zu erfüllen. Der i3 war ein Ausrufezeichen, ein Blick in eine elektrische Zukunft – die bei BMW aber lange nicht stattfand. Stattdessen baute der Hersteller zuerst eine breite Flotte an Modellen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb auf. Doch: Ohne ein breites Angebot an reinen E-Autos wird auch BMW schon bald nicht mehr auskommen. Es ist also höchste Zeit, das fortzusetzen, was man mit dem i3 gestartet hatte. Und zwar mit vollem Einsatz: Ein E-Auto auf einer komplett darauf ausgelegten Architektur muss her. Zwar kann man Akkus und E-Motoren auch in der Karosse eines bestehenden Modells mit Verbrennungsantrieb unterbringen, doch sind solche Modelle schlussendlich oft ein Kompromiss – vor allem auch, weil sie Platz verschenken.

Mit dem iX fängt BMW nun ganz oben neu an. Das neue Elektro-SUV spielt in der Grössenklasse von X5 und Co., bietet aber im Innenraum ein deutlich grosszügigeres Raumgefühl, weil eben die Vorteile eines E-Autos genutzt werden: Der Boden ist komplett flach, die Räder wurden weit nach aussen gesetzt (Radstand: 3 Meter!). So sitzt man auch in der zweiten Reihe mit fürstlicher Beinfreiheit – und durch das Glasdach kommt viel Licht ins Innere. Mit der hohen Sitzposition fühlt man sich im Elektro-Bayern also sehr feudal aufgehoben, was die Kundschaft bei einem Grundpreis von 98 700 Franken (iX xDrive 40) aber auch erwartet. Nur beim Kofferraum verschenkt das Elektro-SUV aufgrund der breiten Seitenwände Platz. Zwar ist mit 500 bis 1750 Litern genug Platz für grosses Reisegepäck, doch bietet ein vergleichbarer BMW X5 rund 150 Liter mehr Stauraum. Ein zusätzliches Gepäckfach unter der Fronthaube gibt es beim iX nicht.

 

Willkommen in der Zukunft

Dafür gibt es im Cockpit ein einzigartiges Ambiente. Hier fühlt sich der iX wie ein Blick in die Zukunft an. Der Fahrer sitzt hinter zwei grossen Bildschirmen im Breitbildformat, hinzu kommt ein ausgedehntes Head-up-Display. Konventionelle Tasten gibt es fast keine mehr, stattdessen bedient man das Auto über Sprachbefehle, Touchscreen oder den bewährten Drehdruckknopf. Dieser ist auf Wunsch auch in Kristallglas zu haben, genauso wie die Knöpfe zur Sitzverstellung (neu in der Tür und nicht mehr am Sitz). Das verleiht dem Cockpit einen edlen Glanz, spiegelt aber je nach Sonneneinstrahlung unangenehm.

Licht und Schatten gibt es auch beim BMW-Bediensystem der neusten Generation. Die Darstellung ist grossflächig und gestochen scharf, die Spracheingabe funktioniert problemlos, und auch auf Touchscreen und Drehknopf reagiert der Bordcomputer verzögerungsfrei. Allerdings braucht es Eingewöhnung, um sich in den Menüs zurechtzufinden. Zudem lässt es sich nicht immer ohne unnötige Ablenkung bedienen, weil die Darstellung zu sehr der eines Tabletcomputers mit kleinteiligen Kacheln für diverse Apps ähnelt. Aber: Das könnte BMW in Zukunft mit «Over the air»-Updates ausbessern.

 

Selbstheilung

Ohne Werkstattbesuch soll auch die grosse Niere an der Front auskommen, welche die Optik eines Kühlergrills aufnimmt und die Sensoren für die zahlreichen Assistenzsysteme kaschiert. Sie ist aus einem selbstheilenden Kunststoff gefertigt, kleinere Kratzer und Dellen sollen bei starker Sonneneinstrahlung selbst heilen. Für die kalte Jahreszeit ist ein Teil der Front beheizt, sodass die Sensoren für die teilautonome Fahrfunktion auch bei Eis und Schnee freie Sicht haben. Denn auf der Autobahn kann die Elektronik das Steuer übernehmen – eine Kamera mit 8 Megapixeln, 5 Radare und 12 Ultraschallsensoren machen es möglich. Das macht den iX zum angenehmen Reiseauto mit sehr gutem Federungskomfort und hervorragend tiefem Geräuschpegel im Innenraum. Mit einer Reichweite von bis zu 631 Kilometern laut WLTP im iX xDrive 50 mit 105-kWh-Akku sind lange Reisen tatsächlich problemlos möglich, zumal der Akku an einer Schnellladestation mit 200 kW Ladeleistung in 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen wird.

Zudem bietet das vorläufige Topmodell 523 PS und 765 Nm ohne jegliche Verzögerung, womit die von BMW vorgetragene Freude am Fahren nicht zu kurz kommt, auch wenn sich die ausladenden Abmessungen und 2,6 Tonnen Gewicht trotz Luftfederung und Allradlenkung nicht komplett verbergen lassen.

Philipp Aeberli