Schärer Linder

21.12.2020

Alternativantriebe legen deutlich zu

Obwohl die Markteinführung etwas holprig war, lassen sich die 659 Zulassungen des reinen E-angetriebenen ID.3 von VW sehen. Bild: PD

Obwohl die Markteinführung etwas holprig war, lassen sich die 659 Zulassungen des reinen E-angetriebenen ID.3 von VW sehen. Bild: PD

2020 war zweifellos ein aussergewöhnliches Jahr – auch in der Autowelt. Zahlreiche spannende Neuheiten trafen auf Produktionsstopps und Verkaufsflauten. Der «Anzeiger» lässt das Autojahr Revue passieren.

Kaum ein Lebensbereich blieb verschont: Die Corona-Pandemie hat die Welt auf den Kopf gestellt. Das hat auch das Autojahr 2020 geprägt. Am sichtbarsten wurde das Anfang März: Der Genfer Auto-Salon wurde kurzfristig abgesagt. Zum ersten Mal seit 1946.

Auch in den Verkaufszahlen war die Ausnahmesituation deutlich zu erkennen. Den Tiefpunkt erreichten die Verkäufe per Ende April: Gerade einmal 9382 Neuwagen wurden im April zugelassen – 67,2 Prozent weniger als im April 2019. Eine direkte Folge des Lockdowns: Die Showrooms der Händler mussten geschlossen bleiben, zahlreiche Hersteller hatten ihre Produktion komplett gestoppt, und auch die Zuliefererindustrie konnte nicht mehr lückenlos liefern.

 

Ein Plus von 62 Prozent

Im Jahresverlauf hat sich der Markt wieder etwas erholt; per Ende November resultierte ein Minus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist 2020 das schwächste Jahr im Schweizer Autoverkauf seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. Doch der Blick auf die Statistik zeigt auch Erfreuliches: Mehr als 54 000 Autos mit alternativen Antrieben, also Elektro-, Hybrid-, Gas- und Wasserstofffahrzeuge, wurden bereits per Ende November eingelöst. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Der Aufstieg der alternativen Antriebe wird vor allem beflügelt durch die starke Zunahme bei den Plug-in-Hybriden (PHEV). Diese Modelle verfügen über einen konventionellen Verbrennungsmotor in Kombination mit einem E-Antrieb samt Akku, der sich an der Steckdose laden lässt. So sind, je nach Modell, Strecken von mehr als 70 Kilometern mit rein elektrischem Antrieb möglich. Auf längeren Reisen ist der Fahrer dank Benzintank trotzdem nicht auf eine Ladestation angewiesen. Sinnvoll ist diese Antriebsform freilich nur, wenn sie korrekt genutzt wird und der Akku für Kurzstreckenfahrten regelmässig geladen wird. 11 435 Autos mit einem solchen Antrieb wurden bis Ende November 2020 zugelassen – 246 Prozent mehr als im Vorjahr!

Das liegt natürlich vor allem am stark gewachsenen Angebot an PHEV-Fahrzeugen: Es gibt kaum mehr Hersteller, die kein solches Modell im Angebot haben. In fast jeder Fahrzeugklasse sind Plug-in-Hybride unter den Neuheiten, die 2020 auf die Strasse kamen: Vom kompakten Renault Mégane über den beliebten Skoda Octavia bis hin zum grossen BMW X5 – sie alle sind nun auch mit aufladbarem Akku zu haben. Mit der neusten Generation an PHEV-Modellen zeigt sich auch deutlich die technische Entwicklung. Dank verbesserter Akkutechnik fahren die meisten Modelle nun mindestens 40 Kilometer elektrisch – und erreichen so auch im Alltag ansehnlich tiefe Verbräuche. 

 

44 Prozent mehr reine Stromer

Um ihre CO2-Bilanz einzuhalten, sind die Hersteller aber nicht nur auf PHEV-Modelle, sondern auch auf reine E-Autos angewiesen. Auch hier ist eine klare Zunahme zu beobachten: 14 861 reine Stromer wurden per Ende November eingelöst – 44 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine der wichtigsten Neuheiten des Autojahres ist schliesslich auch ein reines E-Auto: der ID.3 von VW. Zwar hatte der Hersteller noch mit Elektronikproblemen zu kämpfen und musste den Marktstart nach hinten verschieben. Auch bei der Markteinführung waren noch nicht alle Probleme gelöst – und der ID.3 fährt noch immer nicht mit allen versprochenen Funktionen beim Kunden vor; einiges wird per Software-Update noch nachgereicht. Doch mit 659 Zulassungen bis Ende November ist der ID.3 definitiv in der Schweiz angekommen – und spielt eine wichtige Rolle für VW. Denn er ist das erste Modell auf einer eigens für E-Autos entwickelten Plattform und soll die Marke und den Konzern in die E-Mobilität überführen. Dabei gibt es mehr und mehr Konkurrenz: Mit dem Polestar2 und dem Volvo XC40 Recharge kamen auch zwei interessante Stromer aus Schweden auf den Markt. Der Renault Twingo electric lockt mit sensationell tiefem Einstandspreis von weniger als 20 000 Franken, und Fiat hat mit dem neuen 500e eine äusserst charmante Alternative auf den Markt gebracht. Letzterer hätte übrigens am Genfer Auto-Salon vorgestellt werden sollen – doch auch diese Präsentation blieb nicht von einer Absage verschont.

Philipp Aeberli