Schärer Linder

09.11.2020

FDP-Politiker sieht grün

Kantonsrat Thomas Meier hat Offerten eingeholt, um seine Forderung mit Zahlen zu unterlegen. Bild: Apimedia

Kantonsrat Thomas Meier hat Offerten eingeholt, um seine Forderung mit Zahlen zu unterlegen. Bild: Apimedia

Kantonsrat Thomas Meier fordert in einer Motion eine Grundinfrastruktur für E-Ladestationen bei Neu- oder Umbauten. Beim Hauseigentümerverband und der Stadt stösst er damit auf Gegenwind.

Herr Meier, was für ein Auto fahren Sie?
Ich besitze einen Citroën DS5, Diesel-Hybrid, siebenjährig. Ich mache einfach zu wenige Kilometer. Das Fahrzeug könnte noch lange hinhalten. Aber mein nächstes Auto ist, versprochen, ein vollelektrisches. Wir haben bei unserer Firma bereits eine Stromtankstelle, bei der alle unsere Mitarbeiter gratis ihr Auto laden dürfen.

Bei der E-Mobilität ist es wie bei Corona: Es gibt Leute, die glauben einfach nicht dran.
Man sieht es auch beim 5G-Internet oder bei den Windrädern. Ich bin gegen diesen Fundamentalismus, der vorab alles schlechtmacht. Bei den Autos kann man es ganz nüchtern betrachten: Die Schweiz hat zugesichert, bis 2050 eine neutrale CO2-Bilanz vorweisen zu können. Natürlich wäre es am einfachsten, wenn wir alle nur noch Velo fahren würden. Das geht aber nicht. Also nutzen wir doch unsere einheimische Energie, die aktuell zu 75 Prozent aus Wasserkraft und zu 19 Prozent aus Kernenergie besteht. Letzteres ist natürlich nicht ganz ideal. Der Rest ist Graustrom (Elektrizität aus nicht genau definierbarer Quelle, die Red.).

Bei der Batterieproduktion gibt es noch ökologische Probleme.
Mir ist bewusst, dass es in den Lithium-Abbaugebieten in Bolivien zu Gewässerverschmutzungen kommt. Ich sehe das in Relation zu den Umweltschäden der Erdölproduktion und des CO2-Ausstosses, der uns alle weltweit betrifft. Ein anderer Aspekt ist die Wertschöpfung. Ich bezahle doch viel lieber mein Geld für Mobilitätsenergie an die einheimische EWL oder die CKW anstatt an die Saudis oder an Länder mit dubiosem Hintergrund.

Sie wollen mit Ihrer Motion Grundeigentümer verpflichten, die Versorgung der Parkplätze mit Strom sicherzustellen. Sie werden sich in diesen Kreisen keine Freunde schaffen.
Ich wette mit Ihnen, dass es in 15 Jahren keine neuen Verbrennerautos mehr zu kaufen gibt, weil es schlicht verboten ist. Also sollte bei Neubauten die Parkplatzstromversorgung schon jetzt Standard sein. Das erhöht die Attraktivität des Objektes. Eine nachträgliche Ausrüstung eines Hauses im Stockwerkeigentum ist zudem kompliziert, da es das Einverständnis aller Parteien braucht.

Was sagen Sie zum Eigentümer einer Altliegenschaft, die saniert werden muss?
Ich bin ein Freisinniger, also schaue ich auch aufs Geld. Ich habe eine Offerte eingeholt, die bei 33 Stück von einem Preis von 470 Franken pro Parkplatz ausgeht. Ein lokaler Gewerbetreibender saniert zudem jetzt gerade für 600 Franken pro Parkplatz. Setzt man diese Beträge in Relation mit der Lebensdauer einer Immobilie, sind die Zahlen nicht hoch.

Für Ihre Motion brauchten Sie Unterschriften von Parlamentskolleginnen und -kollegen. Wie erfolgreich waren Sie?
Ich bin zufrieden. Ich habe aus allen Parteiecken Unterschriften bekommen, insgesamt 45. Mit 61 Unterschriften hätten wir ja schon die Mehrheit im Parlament. Anfang 2021 wird der Klima- und Energiebericht der Regierung erscheinen. Der wird genau solche Ansätze verfolgen wie in meiner Motion vorgesehen. Also verlieren wir keine Zeit.

Ihre Vorschläge sind nur ein Element der E-Förderung. Was halten Sie von den Luzerner Verkehrsabgaben?
Schwierig – an der Sondersession des Kantonsrates forderte Othmar Amrein die Ökologisierung der Verkehrssteuern. Es kann ja nicht sein, dass ein Tesla-Fahrer derart stark zur Kasse gebeten wird, weil er viele, aber saubere PS unter der Haube hat. Auch Gratisparkplätze für E-Autos und viele weitere Ideen müssen geprüft werden.

Die Stadt Luzern hat sich gegen die Einrichtung von E-Tankstellen auf öffentlichem Grund ausgesprochen (siehe Box). Was halten Sie davon?
Das erstaunt doch in dieser Stadt mit links-grüner Mehrheit. Stadtpräsident Beat Züsli hat mir nach Einreichen der Motion bestätigt, dass er das Anliegen zwar gut finde, aber schlussendlich nicht zielführend. Er steht dem Individualverkehr in der Stadt insgesamt kritisch gegenüber und möchte am liebsten noch mehr Parkplätze abbauen.

Wie beurteilen Sie die politischen Chancen Ihrer Motion?
Intakt. Gegenwind bekomme ich aller Voraussicht nach vom Hauseigentümerverband des Kantons Luzern, der sich gegen diese – in seinen Augen – Überregulierung stellen wird. Natürlich steht mein Vorschlag ein bisschen quer zur Grundphilosophie meiner Partei, aber gerade bei ökologischen Themen kann eine Regulierung den Prozess massgeblich beschleunigen.

Andréas Härry

 

Box: Der Stadtrat delegiert an die privaten Landeigentümer
Umweltschutz hin, geringe Lärmbelastung her: Der Luzerner Stadtrat erteilte der Förderung der privaten E-Mobilität im Mai dieses Jahres einen Dämpfer. Öffentliche Ladestationen auf Stadtgebiet soll es nicht geben. «Auch das Elektroauto verbraucht, wie Benzin- oder Dieselfahrzeuge, kostbare Verkehrsfläche», schrieb das Gremium. «Die Entwicklung der Elektromobilität soll durch die Stadt Luzern aber nicht behindert werden», meint die Stadtregierung handkehrum und delegiert die Ladeaufgabe an private Landeigentümer. Je nach Expertenquelle rechnet man mit einer Flotte von 20 bis 40 Prozent Batterieautos auf den Strassen bis 2035. Aktuell werden 9,2 Prozent der Fahrzeuge mit einem Alternativantrieb (Hybrid oder vollelektrisch) ausgeliefert, Tendenz weiter steigend.