Schärer Linder

26.10.2020

Gelegentlich Benziner

Renault Mégane Grandtour e-Tech und Captur e-Tech mit Plug-in-Hybridantrieb sowie der neue Renault Clio e-Tech mit Vollhybridtechnik (von links). Bild: PD

Renault Mégane Grandtour e-Tech und Captur e-Tech mit Plug-in-Hybridantrieb sowie der neue Renault Clio e-Tech mit Vollhybridtechnik (von links). Bild: PD

Bei Renault werden drei der vier verkaufsstärksten Modelle «verstromt»: der Clio als Hybrid, der Mégane und der Captur als Plug-in-Hybrid. Der Fokus bei allen drei Modellen: elektrisches Fahren.

Ohne Elektrifizierung sind die strikten CO2-Vorgaben nicht mehr zu erreichen. Das gilt auch für Renault; Zwar haben die Franzosen mit dem Zoë einen Stromer im Angebot, der sich darüber hinaus auch prächtig verkauft – im ersten Halbjahr 2020 waren es 1154 Stück, was das E-Auto zum meistverkauften Modell der Marke macht. Doch sogar damit kann die Marke den CO2-Flottendurchschnitt auf Dauer nicht tief genug halten. Dafür muss die Marke vermehrt auch alternative Antriebe bieten, welche Kunden ansprechen, die den Wechsel zum E-Auto noch nicht wagen möchten. Gerade bei Volumenmodellen sind solche Alternativen entscheidend, um möglichst viele elektrifizierte Autos abzusetzen.

So ist es nur logisch, dass nun die Plätze zwei bis vier auf der Renault-Verkaufsrangliste unter Strom gesetzt werden: der Crossover Captur, der kompakte Clio und der Mégane in der Kombiversion. Der Clio bekommt einen Vollhybrid, während Captur und Mégane einen Plug-in-Hybridantrieb verbaut kriegen; die Antriebe sind modular aufgebaut und bis auf die Batterie identisch – so will Renault das Hybridangebot bis 2022 auf zwölf Modelle aufstocken. Damit können die Hybridkomponenten auf höhere Stückzahlen verteilt werden, was wiederum die Preise senkt. Denn nur so werden die elektrifizierten Modelle auch wirklich attraktiv.

 

Hauptsache, elektrisch

Hauptaugenmerk bei der Entwicklung sei es gewesen, die Hybridmodelle auf möglichst viel elektrisches Fahren zu trimmen; der Hauptantrieb soll also der E-Motor sein und nicht mehr der Benziner. Dieser ist bei allen Modellen ein 1,6-Liter-Saugmotor mit 91 PS. Hinzu kommen ein E-Motor und ein elektrischer Startergenerator mit 49 und 20 PS (Clio) respektive 34 und 67 PS (Mégane und Captur). Der Startergenerator ist für das Anfahren und die gezielte Unterstützung des Benziners verantwortlich, der stärkere E-Motor für das rein elektrische Fahren. Beide Maschinen können zudem Bremsenergie zurück in die Batterie speisen.

Innovativ ist das Getriebe der neuen Renault-Modelle. Hier kommt ein Klauengetriebe zum Einsatz, das insgesamt 15 Übersetzungen erlaubt, die selbstverständlich automatisch verwaltet werden. Und da das Anfahren über einen E-Motor erfolgt, kommt der Antrieb ohne eine Kupplung aus. Das spart Platz, Gewicht, Kosten und Verschleissteile.

Bis zu 65 Kilometer sollen Captur und Mégane mit voll geladener Batterie (9,8 kWh) rein elektrisch zurücklegen können. Beim Clio mit kleinem 1,2-kWh-Akku, der sich nicht an der Steckdose laden lässt, soll man im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent der Strecke zurücklegen können, ohne dass der Verbrennungsmotor anspringen muss. Der Verbrauch liegt bei 4,3 l/100 km. Captur und Mégane verbrauchen laut WLTP-Zyklus gar nur 1,4 respektive 1,3 l/100 km.

 

Fahren wie im E-Auto

Auf dem Papier wirkt der neue Hybridantriebsstrang äusserst komplex. Auf der Strasse ist aber genau das Gegenteil der Fall: In allen drei Modellen fährt sich der Hybrid im Prinzip so wie ein E-Auto. Der Wagen beschleunigt verzögerungsfrei und ohne spürbare Gangwechsel. Wenn sich der Benzinmotor zuschaltet, geschieht dies kaum spürbar und dank guter Schallisolierung auch nicht auffällig laut. Nur bei plötzlichem zügigem Beschleunigen, beispielsweise beim Überholen, ist ab und zu eine Verzögerung spürbar, wenn das Getriebe noch nicht im richtigen Gang ist. Alles in allem wirkt der Antrieb aber sehr souverän – und mit 160 PS (Captur und Mégane) respektive 140 PS (Clio auch ausreichend spritzig.

Die komplexe Technik arbeitet also meist im Verborgenen. Wer will, kann die Motorbremswirkung am Automatikwählhebel verstärken, um mehr Energie in die Batterie zurückzugewinnen, oder per Knopfdruck ins Energiemanagement eingreifen, um elektrisches Fahren zu erzwingen oder Strom für eine spätere Fahrt durch die Stadt aufzusparen. Oder man lässt die Elektronik walten und braucht sich um nichts zu kümmern. Das macht die Hybride auch für jene Kunden attraktiv, die sich für die moderne Technik nicht interessieren – und einfach nur ein angenehmes und sparsames Auto suchen. Beim Clio gibt es dieses Paket ab 24 200 Franken, der Captur e-Tech gibt’s ab 38 100 Franken, der Mégane Grandtour e-Tech ab 40 200 Franken.

Philipp Aeberli