01.11.2021

Jubiläum mit speziellem Gast

Suzanne Z’Graggen an der Hauptorgel der Jesuitenkirche. Bild: Ingo Höhn

Suzanne Z’Graggen an der Hauptorgel der Jesuitenkirche. Bild: Ingo Höhn

Die Orgelvespern in der Jesuitenkirche sind eine Luzerner Tradition. Zur 600. Ausgabe hat die künstlerische Leiterin und Organistin Suzanne Z’Graggen einen prominenten Gastredner engagiert.

Suzanne Z’Graggen, was erwartet die Gäste an einer Orgelvesper in der Jesuitenkirche?
Bei den Konzerten dieser Reihe treten renommierte Konzertorganistinnen und -organisten auf. Zudem wird jungen Masterstudierenden der Musikhochschule Luzern die Möglichkeit gegeben, aufzutreten. An unseren Vespern erleben die Gäste die Bandbreite der Orgelmusik. Bei vorgängig stattfindenden Einführungen können zudem unsere Solisten kennen gelernt werden.

Wann wurde dieser Zyklus begründet?
Im Juni 1982 wurde die Metzler-Orgel in der Luzerner Jesuitenkirche eingeweiht, der Schlusspunkt der umfassenden Restauration des Bauwerks. Die damalige Organistin, Monika Henking, lancierte eine Orgelvesper-Reihe zusammen mit der Akademie für Schul- und Kirchenmusik. Diese Feierabendstunden fanden Anklang und wurden zum festen Bestandteil im Luzerner Musikleben.

Was war Ihr persönliches Highlight in Rahmen der letzten 599 Vespern?
Prägend war das Erleben von Professor Michale Radulescu als Interpret in der Jesuitenkirche. Ich war damals Schülerin der Kantonsschule und war derart berührt von Radulescus Spiel, dass ich beschloss, bei ihm zu studieren. Damals ahnte ich allerdings nicht, wie herausfordernd das Studium bei ihm sein würde.

Was zeichnet die Jesuitenkirche aus Ihrer Sicht aus?
Die ehemalige Schulkirche des Jesuitengymnasiums ist keine Pfarrkirche. Sie gehört dem Kanton Luzern. Es besteht ein Vertrag zwischen dem Kanton und der katholischen Kirchgemeinde. Der Kirchenvorsteher ist mit der theologischen Fakultät der Universität für die Gottesdienste verantwortlich. Die Kirchenmusik wird durch Verantwortliche der Hochschule gestaltet. Dies ist ein Privileg, die Ausbildung ist somit eng an die Praxis gekoppelt. Dabei stehen zwei wunderbare Instrumente zur Verfügung: die Hauptorgel sowie die kleinere Orgel im Chorraum.

600 Konzerte – eine eindrückliche Zahl.
Mir war es ein Bedürfnis, zum Anlass dieser ausserordentlichen Jubiläumsorgelvesper ein besonderes Konzerterlebnis zu realisieren – ein kommentiertes Konzert mit prominentem Gastreferenten. Zudem wird das erste Mal eine Videoübertragung der Spielsituation auf der Empore in den Chorraum installiert, sodass die Zuhörenden der Organistin auf Hände und Füsse schauen können.

«Ein Miteinander von Wort und Musik» ist angekündigt. Was erwartet die Gäste vorab musikalisch?
Ich werde Werke aus dem hohen Norden interpretieren. Die skandinavische Orgelmusik ist in ihrer Mischung aus volkstümlicher Schlichtheit, ausdrucksvoller Modernität und starkem Klang faszinierend und berührend. Zudem ist die Interpretation dieser Werke auf der Hauptorgel sehr gut umsetzbar. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der skandinavischen Orgelmusik und freue mich, dass ein reger Austausch mit skandinavischen Komponisten stattfindet.

Sie konnten den Publizisten und ehemaligen SRG-Direktor Roger de Weck für diesen Anlass gewinnen: Was für Worte darf man von ihm erwarten?
Die Wortbeiträge des Buchautors von «Die Kraft der Demokratie» schlagen die Brücke zwischen Harmonie und Disput zu einem aktuellen Thema: «Demokratie und Ökologie». Was bedeutet der Dreiklang «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit respektive Schwesterlichkeit» in Zeiten des neuen Umweltbewusstseins?

Wie kamen Sie auf seine Person?
Ich wollte eine Persönlichkeit, die sich mit Fragen der Zeit auseinandersetzt. Roger de Weck ist diesbezüglich eine Idealbesetzung. Er war Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», von «Die Zeit» und SRG-Direktor. Nun publizierte er ein Buch, worin er sich mit brennenden Fragen pointiert und spannend auseinandersetzt.

Wie planen Sie, das Vesperkonzept weiterzuentwickeln?
Orgelmusik ist so vielseitig und facettenreich. Meine Studierenden regen mich mit Inputs und Impulsen ständig zu Neuerungen oder zum Umdenken an. Das können neuartige Konzeptionen, der Einbezug von Kammermusikpartnern, Tänzern, Formationen, Sprechern oder auch Lichtkonzepte sein.

Andréas Härry
 

Info zum Anlass: 5. November, 19 Uhr, Jesuitenkirche Luzern, Eintritt frei, Kollekte