Schärer Linder

14.12.2020

«Heute ist es viel aufwendiger»

Vor 70 Jahren waren die Klassen viel grösser. So auch die 1. Klasse von Franz Arnet, 1953/54.
Auch mehrere Klassen in einem Zimmer waren Standard: 3./4. Klasse, Ruedi Schütz, 1958/59.
Der Autor Jürg Studer. Bilder: PD

Vor 70 Jahren waren die Klassen viel grösser. So auch die 1. Klasse von Franz Arnet, 1953/54.

Vor 70 Jahren waren die Klassen viel grösser. So auch die 1. Klasse von Franz Arnet, 1953/54.
Auch mehrere Klassen in einem Zimmer waren Standard: 3./4. Klasse, Ruedi Schütz, 1958/59.
Der Autor Jürg Studer. Bilder: PD

Auch mehrere Klassen in einem Zimmer waren Standard: 3./4. Klasse, Ruedi Schütz, 1958/59.

Vor 70 Jahren waren die Klassen viel grösser. So auch die 1. Klasse von Franz Arnet, 1953/54.
Auch mehrere Klassen in einem Zimmer waren Standard: 3./4. Klasse, Ruedi Schütz, 1958/59.
Der Autor Jürg Studer. Bilder: PD

Der Autor Jürg Studer. Bilder: PD

Der Krienser Jürg Studer hat ein Buch über «220 Jahre Schule Kriens» geschrieben. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, wie eindrücklich sich die Krienser Volksschule entwickelt hat – und an welchem Punkt sie heute steht.

Wie sehr sich die Welt innerhalb von zwei Jahrhunderten verändern kann, zeigt sich, wenn man durch Jürg Studers neustes Werk blättert. Der ehemalige Luzerner Kantilehrer hat darin 220 Jahre Krienser Schulgeschichte festgehalten, bebildert mit vielen alten Klassenfotos. «Als ich vor elf Jahren pensioniert wurde, war für mich klar, dass ich meiner Leidenschaft für Geschichte mehr Zeit widmen und historische Bücher schreiben will», erzählt Jürg Studer. «Da ich in Kriens aufgewachsen bin und über den Ort noch relativ wenig geschrieben wurde, habe ich angefangen, darüber zu recherchieren.»

Mittlerweile hat der Historiker fünf Bücher über seinen Heimatort publiziert. Das neuste Werk widmet er der Krienser Schulentwicklung seit 1800. «In diesen 220 Jahren hat sich im Schulwesen sehr viel verändert. Eine Klasse bestand früher beispielsweise aus bis zu 80 Schülern. Das wäre heute undenkbar», so Studer. Auch die Rolle der Lehrpersonen habe sich stark gewandelt. «Für diese ist es heute aufwendiger als früher. Die zeitliche Beanspruchung ist höher, da sie viel mehr Nebenaufgaben erfüllen müssen. Auch ihre Autorität wird nicht mehr so akzeptiert – viele Eltern wissen heute besser, wie guter Unterricht funktioniert.»

 

Kosten um das Hundertfache höher

Wenn man Jürg Studers Buch liest, sticht auch die Kostenentwicklung der letzten Jahrzehnte ins Auge. Während 1950 die Krienser Bildungskosten noch rund 373 000 Franken betrugen, haben sie sich 2019 fast verhundertfacht. Dabei gilt es natürlich zu berücksichtigen, dass die Bevölkerung und damit das Schulwesen enorm gewachsen sind, neue Schulhäuser gebaut wurden und es heute deutlich mehr Schüler und Lehrpersonen gibt als vor 70 Jahren. Dennoch: Die Krienser Volksschule zählt heute zu den teuersten im Kanton Luzern. «Messgrössen sind dafür die Betriebskosten, welche jährlich veröffentlicht werden», erklärt Stadtrat Marco Frauenknecht. «Während wir in der Stadt Kriens im Kindergarten um 1034 Franken pro Kind unter dem Kantonsschnitt sind, liegen wir bei der Primarschule um 191 Franken und bei der Sekundarschule um 1382 Franken pro Lernende über dem Schnitt.»

Um ein Teil der Kosten zu senken, hat die Stadt Kriens ab diesem Schuljahr die Klassen reduziert und dadurch die durchschnittliche Klassengrösse erhöht. «Der grösste Handlungsbedarf liegt jedoch bei den Betriebskosten», so Frauenknecht. «Diese gilt es gezielt und durch Gespräche und Prüfungen zu senken, ohne den heutigen Standard zu verschlechtern. Ziel ist, dass wir bis 2022 auf den kantonalen Durchschnitt oder tiefer kommen.»

 

20 Schulbauten in 15 Jahrzehnten

Seit 1867 wurde in Kriens auch viel Geld in die Schulinfrastruktur investiert. Wie sich in Jürg Studers Buch lesen lässt, sind seitdem insgesamt 20 Schulhäuser gebaut worden. Entsprechend notwendige Sanierungs- und Unterhaltsarbeiten machen einen weiteren Kostenpunkt im Budget der Volksschule aus. Während die Abrechnungen der letzten beiden grossen Sanierungen der Schulanlagen Kirchbühl und Brunnmatt diesen Dezember im Parlament behandelt und massive Kostenüberschreitungen festgestellt wurden, werden in den nächsten Jahren sicherlich kleinere Sanierungen notwendig sein. «Anpassungen gehören zu den jährlichen Arbeiten bei sämtlichen Schulanlagen dazu», sagt Marco Frauenknecht. «Diese sind entsprechend budgetiert.» Wie es mit den temporär errichteten Modulbauten auf der Krauerwiese weitergeht, werde nächstes Jahr im März bekannt gegeben. 

Fragt man Jürg Studer, hat sich nebst neuen Schulbauten und wechselnden Klassengrössen in den letzten Jahren vor allem die Form des Unterrichts verändert. «Die Einführung des integrativen Unterrichts und des Lehrplans 21 haben das Schulgeben massiv beeinflusst», sagt der 73-Jährige. «Die Lehrpersonen stehen aktuell vor grossen Herausforderungen. Eine Schwierigkeit beim integrativen Unterricht ist, allen Lernenden gleichzeitig gerecht zu werden. Als Grossvater von schulpflichtigen Enkeln sehe ich aber, wie viel Mühe sich die Lehrerinnen und Lehrer geben – und bin zuversichtlich, dass sie diese neuen Herausforderungen meistern werden.» Auch Stadtrat Marco Frauenknecht blickt dem Wandel positiv entgegen: «An der Schnittstelle zur Gesellschaft muss die Schule die schnell stattfindenden gesellschaftlichen Veränderungen annehmen und sich auf diese einstellen können.»

Anna Meyer

 

Box: 220 Jahre Schule Kriens

Klebegebunden, 120 Seiten, 300 Fotos. Preis: 20 Franken (23 Franken bei Versand). Unter anderem erhältlich bei Papeterie Kriens, BuK, Teiggi, IFF Schuhkultur, Café Bar Siesta, Mode Marco, Autor Jürg Studer, Brunner-Verlag.