Schärer Linder

02.11.2020

Die Geschichte zweier Frauen

Meine geniale Freundin. Bild: PD

Meine geniale Freundin. Bild: PD

Lily Sykes inszeniert am Luzerner Theater die vierbändige Neapel-Saga von Elena Ferrante als Schweizer Erstaufführung.

Mit «Meine geniale Freundin 1–4» bringt das Luzerner Theater einen Erfolgsroman der jüngeren Literaturgeschichte auf die Bühne. Elena Ferrantes Neapel-Saga erzählt die Geschichte zweier Frauen, Elena und Lila, die gemeinsam in einem armen Viertel Neapels aufwachsen. Ihre Lebenswege trennen sich, als Elena das Gymnasium besucht, studiert und schliesslich erfolgreiche Autorin wird. Lila wiederum heiratet früh, als ihr Vater ihr das Studium verwehrt, und schlägt einen ganz anderen Weg ein. Dennoch bleiben sich die beiden Frauen ein Leben lang verbunden. 

Jahre später gibt Lilas rätselhaftes Verschwinden Elena den Anlass, ihre gemeinsame Lebensgeschichte aufzuschreiben. Sie blickt dabei zurück auf ihr Aufwachsen im Neapel der Nachkriegszeit, das geprägt ist von der Camorra, auf die neofaschistischen und linken Terrorakte der Zeit und nicht zuletzt auf die feministischen Bestrebungen der 70er-Jahre. Aus weiblicher Perspektive untersucht die Autorin, was es heisst, als Frau innerhalb männlich dominierter Gesellschaftsstrukturen um Selbstbehauptung zu kämpfen. Immer im Zentrum steht dabei die durchaus ambivalente Freundschaft der beiden Frauen. 

Die britische Regisseurin Lily Sykes wirkte unter anderem bereits am Schauspiel Köln, am Staatstheater Karlsruhe und am Schauspielhaus Graz. Mit Ferrantes literarischem Durchbruch inszeniert sie zum ersten Mal am Luzerner Theater. Ihre Inszenierungen sind für psychologische Feinheit genau so bekannt wie für die scharfe Analyse gesellschaftlicher Zusammenhänge. Im Luzerner Theater führt Elena, gespielt von Martina Spitzer, durch den Theaterabend und blickt aus der Gegenwart zurück auf ihr eigenes Leben und das ihrer Freundin Lila (Olivia Gräser). 

«Meine geniale Freundin 1–4» feiert am 5. November Premiere auf der Bühne des Luzerner Theaters und ist dort bis am 4. Februar 2021 zu sehen. Am Sonntag, 15. November gestaltet das Luzerner Theater zudem den ökumenischen Theatergottesdienst in der Matthäuskirche mit Szenen aus dem Stück. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Zentralschweiz und der Literaturgesellschaft Luzern bietet das Luzerner Theater ausserdem einen Lesezirkel inkl. Vorstellungsbesuch zu «Meine geniale Freundin 1–4» an.

Mehr Infos unter: luzernertheater.ch/meinegenialefreundin

PD