Schärer Linder

02.11.2020

Das Theater macht weiter

Zuletzt hatte «Il barbiere di Siviglia» durchschnittlich 250 Zuschauerinnen und Zuschauer. Nun sind es noch deren 50. Bild: Ingo Höhn

Zuletzt hatte «Il barbiere di Siviglia» durchschnittlich 250 Zuschauerinnen und Zuschauer. Nun sind es noch deren 50. Bild: Ingo Höhn

Das Luzerner Theater führt den Betrieb zumindest vorerst auch mit 50 Personen im Publikum weiter. Es ist der Gedanke, der Gesellschaft weiterhin etwas zu bieten. Aber macht das auch wirklich Sinn?

In der Öffentlichkeit wird der Entscheid des Luzerner Theaters aktuell gestützt, die Vorstellungen auch vor lediglich 50 Zuschauerinnen und Zuschauern abzuhalten.

Die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen haben nicht nur bei den Zuschauerzahlen Konsequenzen, sondern auch bei den Produktionen. Beim «Barbier» entfällt beispielsweise der Herrenchor, weil Chöre verboten sind. «Das Luzerner Theater nimmt den Entscheid des Bundesrates zur Kenntnis und leistet ihm selbstverständlich Folge. Nichtsdestotrotz setzt das Luzerner Theater weiterhin alles daran, den Kulturauftrag zu erfüllen und für das Publikum da zu sein», schrieb das Theater am Donnerstag. Gerade in der heutigen Zeit erachte es das LT als essenziell, dass Kulturinstitutionen geöffnet bleiben würden.

Zuletzt hatten durchschnittlich rund 250 Personen die Oper «Il barbiere di Siviglia» gesehen, auch «Tanz 34: Wie es euch gefällt» im Globe war bisher im Rahmen der Möglichkeiten ein Erfolg gewesen. 200 Personen waren durchschnittlich im Saal. Nun muss sich auch das Theater also wieder neu organisieren, Leute ausladen und Umbuchungen planen.

 

Kosten für 50 Personen hoch

Inwiefern macht es aber Sinn, ein Kulturhaus mit einem Eigenfinanzierungsgrad von rund 20 Prozent für 50 Personen pro Vorstellung weiterzuführen? «Wir haben einen Leistungsauftrag, und diesen wollen wir auch erfüllen», sagt Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters. Lediglich kleine Produktionen in der Box durchzuführen, sei keine Lösung. «Der Betrieb im Luzerner Theater ist tatsächlich teurer, die Box funktioniert jedoch schon wegen der sanitären Anlagen nicht ohne das Theater», erklärt der Verwaltungsdirektor. «Zudem können wir nicht einfach die grossen Produktionen stoppen. Wir haben Arbeitsverträge mit Künstlern, an die wir uns selbstverständlich halten.» Die Personalkosten machen rund 85 Prozent einer Produktion aus.

 

Kurzarbeit wird wieder ein Thema

Trotzdem schliesst Adrian Balmer nicht aus, dass für einige Abteilungen in den nächsten Wochen wieder Kurzarbeit angemeldet wird. Der Verwaltungsdirektor betont auch, dass der Entscheid, die Spielzeit weiterzuführen, nicht definitiv sei. «Es sind im nächsten Frühjahr Grossproduktionen geplant, bei denen wir noch nicht wissen, wann wir mit den Proben beginnen können», so Balmer.

Weitere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Zusammenstellung von neuen Produktionen. Gerade im Tanzbereich sind Auditions per Videokonferenz eher unvorteilhaft. Corona hatte aber zumindest in einer Hinsicht einen positiven Effekt. Ensemble-Tänzer, die eigentlich weiterziehen wollten, bleiben dem Luzerner Theater nun doch noch länger erhalten. Dass nun die Einreise für viele Länder wieder gelockert wurde, ist zwar ebenfalls ein Vorteil. «Es gibt aber auch andere Länder, die striktere Vorschriften haben, wie beispielsweise Deutschland», wendet Adrian Balmer ein. Hat ein deutscher Künstler einen Auftritt in der Schweiz, muss er innerhalb von 24 Stunden zurück in Deutschland sein, ansonsten muss er in die Quarantäne. Deshalb müssen die Verantwortlichen beim Luzerner Theater in den nächsten Wochen eventuell auch bei kurzen Gastauftritten umdisponieren.

Marcel Habegger