Schärer Linder

12.10.2020

«Es kann einen guten Winter geben»

Mit umfangreichen Schutzkonzepten wird der Winter an die Hand genommen: Die Gondelbahn Rossweid in Sörenberg. Bild: David Kurth

Mit umfangreichen Schutzkonzepten wird der Winter an die Hand genommen: Die Gondelbahn Rossweid in Sörenberg. Bild: David Kurth

Der Lockdown vom Frühling wurde durch einen guten Sommer teilweise kompensiert. Für die kommende Skisaison stehen die Konzepte. Der Direktor der Bergbahnen Sörenberg, René Koller, zeigt sich optimistisch.

René Koller, wie lautet Ihr Fazit zur Corona-Sommersaison 2020?
Grundsätzlich war es ein guter Sommer, mit funktionierenden Schutzkonzepten. Wir haben immer schon auf Schweizerinnen und Schweizer gesetzt, das ist jetzt ein grosser Pluspunkt. Unsere Stammgäste sind uns treu geblieben. Uns konnten keine fehlenden, asiatischen Kunden ein Loch in die Kasse reissen. 

Wir gross ist der Anteil an ausländischen Gästen in normalen Jahren?
Lediglich 5 Prozent, Deutsche, Holländer und Franzosen. Auch Bahnen wie Melchsee-Frutt, Hasliberg oder die Klewenalp hatten vermutlich einen befriedigenden Sommer. Gelitten haben Rigi, Pilatus und Titlis, überregional zum Beispiel das Jungfraujoch, die alle stark vom Gruppengeschäft leben. Wir liegen lediglich zwei bis drei Prozent hinter den Frequenzen des Vorjahres zurück. Dies weil wir wegen des Lockdowns die Saison später starten mussten.

Jetzt kommt die Skisaison.
Wir haben in der Geschäftsleitung Workshops durchgeführt. Auch mit den Leistungsträgern wie Sörenberg-Flüeli-Tourismus, den Gastronomiebetrieben und der Skischule sind solche geplant. Wir müssen zwei Schutzkonzepte umsetzen, für die Bahnen und die Gastronomie. Das Grobraster stammt von Verband Seilbahnen Schweiz. Jede Unternehmung kann dieses aber für sich adaptieren.

Wie adaptieren die Bergbahnen Sörenberg das Schutzkonzept?
Grundsätzlich dürfen wir unsere Seilbahnkapazitäten voll ausnutzen, da die Passagiere ja eine Maske tragen, analog dem ÖV. Um dem Gast aber mehr Wohlbefinden und Sicherheit zu bieten, werden wir bei uns aber die vollen Kapazitäten nicht ausnützen, ausser bei Höchstandrang. 

Wie sieht die Maskenpflicht bei den verschiedenen Bahntypen aus?
Wie erwähnt gilt auf den Luftseil- und Gondelbahnen Maskenpflicht. Bei den Skiliften nicht. Auch Sesselbahnen dürfen ohne Maske benützt werden, selbst wenn sie mit einer Wetterschutz-Haube ausgerüstet sind. Dies folgt der Logik, dass die Fahrzeiten kurz sind, das Risiko einer Ansteckung somit gering. Dazu kommen die Massnahmen in den Stationen wie Abstandsmarkierungen und Desinfektionsmittel. Über allem steht unser Appell zur Selbstverantwortlichkeit, wir sind keine Polizisten.

In den Medien wurde letzthin über diesen neuen Winter-Maskentyp berichtet.
Das BAG akzeptiert auf den Winter die neuen, sogenannten Multifunktionstücher MNS, Mund-Nasen-Schutz, ausgerüstet mit einem Filter. Alle Bergbahnen konnten über einen Einkaufspool solche Tücher beziehen. Wir werden diese unseren Gästen zu fairen Konditionen verkaufen.

Wenn ein Gast nur mit einem Halstuch um den Mund erscheint, wird er nicht befördert?
Es heisst, die Masken müssen BAG-konform sein in Form und Durchlässigkeit. Dies zu überprüfen, wird für uns eine Herausforderung. Nur wenn jemand sich grundsätzlich weigert, eine Maske anzuziehen, nehmen wir ihn nicht mit.

Wie begegnen Sie der Vorgabe, Massenansammlungen zu vermeiden?
Da haben wir in Sörenberg einen grossen Vorteil. Unsere Gäste können mit sieben dezentralen Transportanlagen, vom Rischli bis zum Rothorn, ins Skigebiet gelangen. Wir haben kein Nadelöhr an einer Talstation.

Die Gastronomie dürfte ebenfalls ein Knackpunkt werden.
Wenn viele Gäste in die Restaurants strömen, werden wir Probleme bekommen in Folge der geschrumpften Kapazität unserer Lokale wegen der Abstände. Wir begegnen diesem Umstand mit zusätzlichen Verkaufsflächen im Aussenbereich. In den Restaurants sichern wir das Contact Tracing mittels App-Applikationen mit QR-Codes auf allen Tischen.

Fühlen Sie sich von den Behörden getragen?
Natürlich hängt über uns allen die Gefahr eines – vielleicht auch nur lokalen – Lockdowns. Regierungsrat Guido Graf hat alle Skigebiete und Bahnen, dazu der kantonale Führungsstab, zu einem Round Table am 19. Oktober eingeladen, «Informationsaustausch zum Coronavirus». Das ist eine gute Sache.

Die grosse Frage: Wie viele Gäste werden kommenden Winter Ski fahren ...
Sehr schwierig zu sagen. Nach den Erfahrungen im Südtirol und Österreich vom letzten Jahr könnten die Schweizer dieses Jahr prioritär im Inland Ski fahren, das wäre natürlich ein Vorteil für uns. Wir Bergbahnen haben, mit der Partnerschaft von Swiss-Ski und unterstützt von einem Bundesrat, die Aktion «Die Schweiz fährt Ski» lanciert. Wir wollen damit den Gästen die Angst nehmen. Doch, ich bin optimistisch. Genug Schnee und anständiges Wetter vorausgesetzt, kann es ein guter Winter werden. Sollte es dennoch zu einem Lockdown von über 14 Tagen kommen, gewähren wir Saisonabonnement-Inhabern zeitanteilig eine Gutschrift für die nächste Saison. 

Hat die Corona-Krise Einfluss auf kommende Investitionen. Stichwort: neue Luftseilbahn aufs Rothorn?
Im vergangenen, im Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr mussten wir in Folge des Lockdowns einen verkraftbaren Minderumsatz von 1,5 Millionen Franken in Kauf nehmen. Der Sommer des aktuellen Geschäftsjahres war vernünftig, dasselbe hoffen wir im Winter zur erreichen. Nein, ich sehe unsere Projekte nicht gefährdet, die Finanzierung ist gesichert, am 16. Dezember 2022 soll die neue Seilbahn aufs Rothorn in Betrieb genommen werden.

Andréas Härry

 

Box: Saisonstart

Die Wintersaison beginnt in Sörenberg am 12. Dezember. Als erstes Skigebiet der Zentralschweiz ist der Titlis seit letztem Wochenende geöffnet. Einige Pisten des 3239 Meter hohen Gletschers sind bereits präpariert.